Irak Drei französische IS-Kämpfer zum Tod verurteilt

Der Irak hat schon Hunderten ausländischen Dschihadisten den Prozess gemacht. Nun droht erstmals drei Franzosen die Hinrichtung. Ein Anwalt beklagt, das Verfahren sei unfair gewesen.

Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat in einem Gefängnis nahe Mossul
Andrea DiCenzo/DPA

Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat in einem Gefängnis nahe Mossul


Zum ersten Mal hat die irakische Justiz französische Staatsbürger wegen Mitgliedschaft in der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zum Tod verurteilt. Die drei Männer haben einen Monat Zeit, um die Entscheidung juristisch anzufechten.

Kévin Gonot, Léonard Lopez und Salim Machou waren in Syrien gefasst und in den Irak überstellt worden. Das Land hat Tausende Dschihadisten aufgenommen, die bei den Kämpfen gegen das sogenannte Kalifat des IS festgenommen worden waren. Hunderten von Kämpfern ausländischer Herkunft wurde bereits der Prozess gemacht, gegen sie verhängte Todesurteile wurden bisher allerdings nicht vollstreckt.

Lopez' Anwalt Nabil Boudi kündigte kurz nach dem Richterspruch an, er werde Einspruch gegen das Urteil einlegen. Die Regierung in Paris habe "garantiert, dass alle französischen Bürger ein Recht auf ein faires Verfahren haben, selbst im Irak", sagte Boudi der Nachrichtenagentur AFP. Stattdessen sei Lopez "lediglich aufgrund einer Reihe von Vernehmungen in Bagdader Gefängnissen" zum Tod verurteilt worden. Eine Rückkehr von IS-Kämpfern und deren Frauen nach Frankreich schließt die französische Regierung kategorisch aus.

Human Rights Watch verweist auf Folter im Irak

Zuvor waren bereits mindestens drei französische IS-Mitglieder zu lebenslanger Haft verurteilt worden sind. Nach irakischem Recht entspricht das einer Haftstrafe von 20 Jahren. Neun weitere inhaftierte Franzosen warten auf ihr Urteil.

Der 32-jährige Gonot stammt aus Figeac im Südwesten Frankreichs und war gemeinsam mit mehreren Angehörigen nach Syrien gereist. Vor Gericht gab er an, sein Vater, ebenfalls ein IS-Anhänger, sei im Kampf um die Stadt Raka getötet worden.

Der 32-jährige Lopez soll Frankreich im Sommer 2015 mit seiner Frau und zwei Kindern verlassen haben, um zunächst im Irak und dann in Syrien auf Seiten des IS zu kämpfen. Dem 41-jährigen Salim Machou wird vorgeworfen, Mitglied einer rund 300 Mann starken IS-Untergruppe gewesen zu sein, die Terroranschläge im Irak, in Syrien und in anderen Ländern verübt hat.

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch hatte die Prozesse im Irak wiederholt kritisiert: Sie beruhten oft lediglich auf Indizien oder auf Geständnissen, die unter Folter zustande gekommen seien. Kaum ein Land auf der Welt verhängt so häufig die Todesstrafe wie der Irak. Zwischen 2017 und 2018 stieg die Fallzahl von 65 auf 271.

pbe/AFP/Reuters



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