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14. November 2013, 17:16 Uhr

Gewalt im Irak

Dutzende Tote bei Anschlägen auf schiitische Pilger

Mehrere Dutzend Menschen starben bei einer Anschlagserie im Irak. In Sadija hatte sich ein Attentäter offenbar unter Schiiten gemischt, die das Aschura-Fest feierten, und einen Sprengstoffgürtel gezündet. Auch in Hafrijah, Kut und Bakuba kamen Gläubige ums Leben.

Bagdad - "Ich war in der Nähe einer Gruppe von Pilgern und plötzlich habe ich eine laute Explosion gehört", sagte ein 47-jähriger Taxifahrer. "Staub und Rauch breiteten sich aus und dann fand ich mich wieder umgeben von Leichen und Verletzten", beschreibt er den Selbstmordanschlag auf schiitische Pilger in der irakischen Stadt Sadija. Dabei sind am Donnerstag mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 70 verletzt worden.

Genaue Opferzahlen gibt es noch nicht, die Nachrichtenagenturen machen unterschiedliche Angaben. Der Attentäter hatte sich während des Aschura-Festes in der östlichen Stadt Sadija unter die Gläubigen gemischt und dann einen Sprengstoffgürtel gezündet. Dabei trug der Attentäter offenbar eine Polizeiuniform, wie lokale Medien berichten.

Die Anschlagserie ersteckte sich über das ganze Land: Ein Angriff in Hafrijah traf Gläubige, die sich in einem Zelt versammelt hatten. In der Stadt Kirkuk im Norden Landes wurden bei einem Doppelanschlag fünf Menschen verletzt. In der Stadt Bakuba kamen laut Polizei bei drei Anschlägen mindestens 15 schiitische Muslime ums Leben, 67 wurden verletzt.

In der Stadt Kut, 170 Kilometer südöstlich von Bagdad, wurden nach Behördenangaben bei der Explosion dreier Bomben bei einer Trauerfeier der Schiiten neun Menschen getötet und 28 weitere verletzt. Südlich der Hauptstadt kamen in Suweira vier Menschen bei Bombenanschlägen ums Leben.

Bisher bekannte sich niemand zu Bluttaten

Schiitische Pilger gedenken zum Aschura-Fest des Todes von Imam Hussein. Der Imam ist eine religiöse Schlüsselfigur ihrer Glaubensrichtung. Die Prozessionen an dem Feiertag bieten eine Zielscheibe für Attentäter

Bisher hat sich niemand zu den Bluttaten vom Donnerstag bekannt. Insgesamt werden vornehmlich radikale Sunniten für die zunehmende Gewalt im Irak verantwortlich gemacht, die mit al-Qaida sympathisieren oder ihr angehören. Die von Schiiten geführte Regierung wirft ihnen vor, das Land destabilisieren zu wollen. Unter dem 2003 gestürzten Machthaber Saddam Hussein hielten die Sunniten Schlüsselstellungen im Staat, die meisten Iraker sind aber Schiiten.

vek/dpa/Reuters

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