Irak-Einsatz Rumsfeld erwartet doppelt so hohe Kosten

Der Einsatz im Irak kommt das US-Militär offenbar wesentlich teurer zu stehen als bisher angenommen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld veranschlagt die Kosten auf knapp vier Milliarden Dollar im Monat. General Tommy Franks machte indes klar, dass in "absehbarer Zukunft" mit keiner Reduzierung der Truppen zu rechnen ist.


US-Verteidi- gungsminister Rumsfeld
AP

US-Verteidi- gungsminister Rumsfeld

Hamburg - Das Pentagon habe damit die für den Irak-Einsatz veranschlagten Kosten verdoppelt, berichtet die "New York Times". Franks sagte, die Ausschreitungen und die unsichere Lage im Irak machten eine baldige Truppenreduzierung unmöglich. "Wir haben hier gerade rund 145.000 Soldaten stehen", sagte der General. Er habe mit den Kommandeuren gesprochen und gefunden, dass dies genau die richtige Größe sei.

Rumsfeld betonte jedoch, das heiße nicht, dass es nicht auch bald eine Reduzierung der Truppen geben könne. Die Zahl der im Irak stationierten Soldaten könne sich rasch ändern, wenn es gelinge, weitere Staaten zu involvieren.

Der Pentagon-Chef gab die erhöhten Kosten erst auf heftiges Nachfragen von Senatoren im Verteidigungsausschuss zu. Demnach erwartet das Pentagon für den Zeitraum vom vergangenen Januar bis September durchschnittlich Kosten von 3,9 Milliarden Dollar im Monat. Die Kosten schließen jedoch nicht die Beteiligung am Wiederaufbau des Iraks mit ein.

Im April waren die Kosten von der US-Regierung noch auf zwei Milliarden Dollar monatlich geschätzt worden. Auch in Afghanistan steigen die Kosten für den Militäreinsatz Rumsfeld zufolge - allerdings nur von 900 auf 950 Millionen pro Monat.

Seit Beginn des Irak-Kriegs am 20. März sind dem Pentagon zufolge 212 amerikanische Soldaten ums Leben gekommen. Davon starben 74 nach dem von Präsident George W. Bush am 1. Mai erklärten Ende der Hauptkampfhandlungen. Verletzt wurden den Angaben zufolge seit Kriegsbeginn 1044 Soldaten, davon 382 nach dem 1. Mai.

Die Angriffe von Aufständischen auf Soldaten der Alliierten haben in den letzten Wochen zugenommen. Zur Stabilisierung der Lage würden die USA Rumsfeld zufolge die Unterstützung von so vielen Ländern wie möglich begrüßen. Dazu gehörten auch die Kriegsgegner Deutschland und Frankreich. Das US-Außenministerium stehe bereits mit Dutzenden Staaten und Militärorganisationen rund um den Erdball in Verbindung, um sie zur Entsendung von Truppen nach Irak zu bewegen. Auch die Nato sei angesprochen worden, deren genauer Beitrag zurzeit noch unklar sei.



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