Irak Entführter Diplomat ist wieder frei

Nach zwei Wochen Geiselhaft im Irak ist ein arabischer Diplomat wieder freigelassen worden. Er war von der Gruppe "Banner des Islam" verschleppt worden.


Bagdad - Der 28-jährige Nadschi Raschid al Nuaimi war am 16. Mai in Bagdad entführt worden. Die Entführer-Gruppe namens "Banner des Islam" verlangte von den Emiraten in einem Video den Abzug ihres Botschafters aus dem Irak sowie die Schließung des in Dubai ansässigen irakischen Fernsehsenders El Fayjah. Die Emirate zogen tags darauf ihren ranghöchsten Diplomaten aus Bagdad ab und förderten damit offenbar die Freilassung al Nuaimis. Außenminister Scheich Abdullah bin Sajed al Nahjan dankte der irakischen Regierung für ihre Anstrengungen zur Freilassung des Ersten Sekretärs der Botschaft der VAE in Bagdad. Über die näheren Hintergründe wurde zunächst nichts bekannt. 

Bei der Entführung des Diplomaten war sein Fahrer angeschossen worden und später seinen Verletzungen erlegen. Seit dem Einmarsch der USA in den Irak im Jahr 2003 sind mehr als 200 Ausländer dort entführt worden. Zwei Ingenieure aus Leipzig kamen unlängst nach 99 Tagen Geiselhaft frei. Eine weitere deutsche Geisel, die Archäologin Susanne Osthoff, kam im vergangenen Jahr ebenfalls nach wochenlanger Geiselhaft frei.

Unterdessen gab es im Irak eine neue Gewaltwelle, bei der Dutzende Menschen getötet wurden. Allein bei der Explosion einer Autobombe auf einem Markt nördlich von Bagdad wurden mindestens 25 Menschen getötet und weitere 65 teilweise schwer verletzt, wie das Innenministerium mitteilte. Der Anschlag ereignete sich in der überwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaft Husseinija, rund 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Am Tatort wurde noch ein weiterer Sprengsatz gefunden und rechtzeitig entschärft.

Zuvor waren schon bei einem Bombenanschlag in der südlichen Stadt Hilla mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen und mehr als 30 verletzt worden. Am späteren Abend detonierte dann auch ein Sprengsatz vor einer Bäckerei im Osten von Bagdad. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens neun Menschen getötet und zehn verwundet. Aufständische griffen auch das Bagdader Innenministerium mit Mörsergranaten an. Dabei wurden zwei Menschen getötet und fünf verletzt. Bei der Explosion einer Autobombe wurde in Bagdad zudem ein Polizist getötet. Im Stadtgebiet fand die Polizei vier Leichen mit gefesselten Händen. Die Männer waren gefoltert und dann mit einem Kopfschuss getötet worden.

Die USA kündigten unterdessen die Verlegung von 1.500 Soldaten von Kuwait in die irakische Unruheprovinz Anbar an, um dort verstärkt gegen Aufständische vorzugehen. Die Situation in Anbar stelle eine große Herausforderung dar, erklärte Militärsprecherin Michelle Martin-Hing. Die westirakische Provinz ist eine Hochburg der sunnitischen Extremisten, die gegen die ausländischen Truppen sowie die Regierung in Bagdad kämpfen.

fok/AP/AFP/Reuters

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