Irak Entführter iranischer Diplomat freigelassen

Im Irak ist ein vor zwei Monaten verschleppter iranischer Diplomat freigekommen. Beobachter vermuten einen Zusammenhang mit der Gefangenenkrise zwischen Iran und Großbritannien - kommt es zu einem Tauschhandel?


Teheran - Der hochrangige iranische Botschaftsmitarbeiter Dschalal Scharafi sei wohlauf, sagte der irakische Außenminister Hoschijar Sebari heute. "Wir haben größte Anstrengungen unternommen, um ihn frei zu bekommen", erklärte Sebari weiter. Alle Seiten hätten anfangs geleugnet, Dschalal in ihrer Gewalt zu haben. Das Ministerium habe jedoch den Druck aufrechterhalten.

Bewaffnete Männer hatten Scharafi Anfang Februar in der Hauptstadt Bagdad entführt. Die Täter trugen dabei Uniformen einer irakischen Spezialeinheit, die eng mit den US-Truppen zusammenarbeitet. Iran warf den USA daraufhin vor, den Diplomaten im Irak entführt zu haben. Die USA wiesen den Vorwurf der Geiselnahme zurück.

Sebari erklärte weiter, die irakische Regierung bemühe sich zudem um die Freilassung fünf weiterer Iraner, die von den USA bereits Mitte Januar bei einer Razzia in der nordirakischen Stadt Erbil festgenommen worden seien. Die fünf Iraner könnten schon bald freikommen. Die Amerikaner werfen den Männern vor, Aufständische im Irak unterstützt zu haben.

Beobachter spekulieren, Iran wolle jetzt mit der Gefangennahme der 15 britischen Marinesoldaten einen Austausch gegen die im Irak festgenommenen Iraner erreichen. Die iranische Führung hält die Briten seit anderthalb Wochen in ihrer Gewalt, weil sie angeblich in iranische Hoheitsgewässer vordrungen sind. Nach britischen Angaben befand sich die Einheit dagegen auf irakischem Seegebiet.

US-Präsident George W. Bush hat heute allerdings einem Austausch eine klare Absage erteilt. Es werde keine Gegenleistung für die britischen Geiseln geben, sagte Bush in Washington. Die Gefangennahme der Briten sei durch nichts zu verteidigen. Er unterstütze die Bemühungen der britischen Regierung, das Problem friedlich beizulegen.

Großbritanniens Premierminister Tony Blair äußerte sich zuletzt optimistisch, dass der Konflikt bald beigelegt werden könnte. Die nächsten 48 Stunden seien entscheidend.

ler/Reuters/dpa



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