Irak Entführter italienischer Journalist ermordet

Der vor einer Woche entführte Journalist Enzo Baldoni ist von irakischen Extremisten getötet worden. Den Tod des Italieners dokumentiert ein Video, auf dem grausame Szenen zu sehen sein sollen. Die Entführer hatten gefordert, Italien müsse seine Truppen aus dem Irak abziehen, um das Leben der Geisel zu retten.


Grausam ermordet: Enzo Baldoni
AP

Grausam ermordet: Enzo Baldoni

Bagdad - Dem in Katar ansässigen Sender al-Dschasira liegt eigenen Angaben das Video vor, auf dem die Hinrichtung Baldonis zu sehen ist. Ein Sprecher des Kanals teilte mit, der Sender habe sich mit Rücksicht auf die Zuschauer entschieden, das Video nicht auszustrahlen. Er wollte sich nicht dazu äußern, auf welche Weise Baldoni umgebracht wurde. Er sagte lediglich, das Video enthalte "widerwärtige Szenen".

Der italienische Botschafter in Katar sah sich das Video an und informierte anschließend die Regierung in Rom. Dies verlautete aus Regierungskreisen. Die Nachrichtenagentur Ansa meldete, das Außenministerium habe danach Baldonis Bruder unterrichtet. Es war davon die Rede, Baldoni sei erschossen worden.

Al-Dschasira hatte am Dienstag ein Video ausgestrahlt, auf dem sich eine Gruppe namens Islamische Armee im Irak zu der Entführung Baldonis bekennt. In einer Erklärung der Entführer hieß es, die Sicherheit der Geisel könne nicht gewährleistet werden, solange Italien nicht binnen 48 Stunden den Rückzug seiner Soldaten aus dem Irak bekannt gebe. Auf dem Video war auch Baldoni zu sehen.

Die italienische Regierung lehnte die Forderung ab. Auch nach der Ermordung Baldonis bekräftigte Ministerpräsident Silvio Berlusconi, dass die italienischen Truppen im Irak bleiben. Die Italiener stellten mit 3000 Soldaten das drittgrößte Truppenkontingent. Die Soldaten wurden allerdings erst nach dem Sturz Saddam Husseins in den Irak geschickt. Sie sollen beim Wiederaufbau des Landes helfen.

Baldoni arbeitete als freier Mitarbeiter für das italienische Nachrichtenmagazin "Diario". Das italienische Außenministerium hatte ihn am Freitag vergangener Woche als vermisst gemeldet. Baldoni hielt sich vermutlich in der umkämpften südirakischen Pilgerstadt Nadschaf auf. Der Dolmetscher Baldonis war Ende voriger Woche in der Nähe der Stadt tot aufgefunden worden.

Im April waren vier Italiener, die als Wachleute arbeiteten, entführt worden. Einer von ihnen wurde von den Entführern umgebracht. Bei einem Bombenanschlag wurden im November 19 Soldaten in Nassarija, dem Hauptquartier der italienischen Truppen, getötet.

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