Proteste im Irak Mindestens vier Demonstranten in Bagdad getötet

Seit Wochen protestieren Demonstranten in der irakischen Hauptstadt Bagdad gegen die Regierung. Erneut sind dabei Menschen durch die Sicherheitskräfte ums Leben gekommen.

Irakische Sicherheitskräfte versuchen, einen Protest von regierungskritischen Demonstranten aufzulösen
Hadi Mizban/ AP/ DPA

Irakische Sicherheitskräfte versuchen, einen Protest von regierungskritischen Demonstranten aufzulösen


Mindestens vier Menschen wurden nach übereinstimmenden Angaben von Nachrichtenagenturen in Bagdad bei regierungskritischen Protesten getötet. Über 50 weitere wurden demnach verletzt. Laut der Nachrichtenagentur AFP wurden die Menschen durch Tränengasgranaten getötet.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren ihren Einsatz, weil die Granaten oft direkt auf Demonstranten gerichtet würden. Bei den meisten Opfern wurde der Schädel durch die Geschosse zertrümmert. Die Granaten sind laut der Uno zehnmal stärker als Modelle, die in anderen Ländern eingesetzt werden.

Iraker protestieren gegen soziale und wirtschaftliche Probleme

Die irakischen Sicherheitskräfte setzen neben den Tränengasgranaten auch scharfe Munition und Gummigeschosse ein. Seit Beginn der Demonstrationen Anfang Oktober sind laut offiziellen Angaben über 320 Menschen gestorben, nach Angaben der Uno etwa 20 davon durch Tränengasgranaten.

In Bagdad und mehreren südirakischen Städten hatte sich Anfang Oktober eine Protestbewegung gegen die Korruption und hohe Arbeitslosigkeit im Land formiert. Trotz der Gewalteskalation und nächtlichen Ausgangssperren gehen die Iraker weiter auf die Straße und fordern mittlerweile den Sturz der Regierung.

Die Uno übt derzeit Druck auf die Regierung in Bagdad aus, Reformen umzusetzen. Sie fordert unter anderem Änderungen am Wahlgesetz und der Verfassung. Den Demonstranten geht das jedoch nicht weit genug. Vor einigen Tagen hat der irakische Präsident Barham Salih Neuwahlen angekündigt, sobald eine Wahlrechtsreform verabschiedet sei.

höh/AFP

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