Irak Ex-Guantanamo-Häftling verübte Selbstmordanschlag

Vier Jahre saß der Kuwaiter in Guantanamo - um nach seiner Freilassung sechs Menschen im Irak mit einer Bombe in den Tod zu reißen. Nach US-Angaben ist das kein Einzelfall, das Militär berichtet von ähnlichen Vorgängen in der Vergangenheit.


Washington - Abdullah Salih al-Adschmi war nicht vorbestraft, als ihn US-Soldaten 2001 in Afghanistan festnahmen. Damals wollte der junge Mann aus Kuwait über die Grenze nach Pakistan. Stattdessen landete er auf Kuba, im US-Strafgefangenenlager Guantanamo. Vier Jahre wurde er dort festgehalten.

Selbstmordattentäter im Irak: Rund 90 Prozent stammen aus dem Ausland
REUTERS

Selbstmordattentäter im Irak: Rund 90 Prozent stammen aus dem Ausland

Dieser al-Adschmi, so berichtete es jedenfalls das US-Militär am Mittwoch, hat sich vor wenigen Tagen in der irakischen Stadt Mossul selbst in die Luft gesprengt - und mindestens sechs Menschen mit in den Tod gerissen.

In einer Erklärung auf einer islamistischen Internetseite ist al-Adschmi laut CNN als einer der "Helden" bezeichnet worden, der die Mossul-Operation geleitet hätte.

CNN berichtet außerdem über Aufzeichnungen des US-Militärs, wonach al-Adschmi nach seiner Festnahme in Afghanistan zugegeben habe, für die terroristische Taliban zu arbeiten. Wie die Dokumente ebenfalls belegen, habe der Mann später ausgesagt, dass er sein Taliban-Geständnis erst auf Druck und während der US-Haft gemacht habe.

Ein Pentagon-Sprecher erklärte, dass al-Adschmi 2005 den kuweitischen Sicherheitsbehörden übergeben worden sei, die ihn nach einem Strafprozess frei gelassen hätten. Einem US-Armeesprecher in Bagdad zufolge war der Attentäter nach seiner Freilassung später über Syrien in den Irak gereist.

Rund 90 Prozent der Anschläge im Irak werden dem US-Militär zufolge von Ausländern verübt. Seit der Errichtung des Strafgefangenenlagers Guantanamo seien über 500 Häftlinge freigelassen worden. 38 davon hätten sich von ihrer "feindlichen Kämpferhaltung" losgesagt. Die restlichen 462 Ex-Häftlinge würden von den USA weiterhin als Bedrohung wahrgenommen. 13 Ex-Guantanamo-Häftlinge sollen nach ihrer Freilassung den bewaffneten Kampf wieder aufgenommen haben.

fat/AFP



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