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Irak: Hunderttausende fliehen vor Dschihadisten

Foto: STRINGER/IRAQ/ REUTERS

Terror im Irak Dschihadisten treiben Hunderttausende in die Flucht

Der Vormarsch religiöser Extremisten im Irak geht weiter, das Militär zieht sich zurück. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Die Aufständischen haben offenbar die Stadt Baidschi mit der größten Ölraffinerie des Landes eingenommen.

Bagdad - Eine gigantische Zahl an Autos hat sich außerhalb von Mossul im Norden des Irak angestaut, Hunderttausende versuchen, vor der Gewalt in der irakischen Stadt zu fliehen. Die britische BBC  und die Internationale Organisation für Migration berichten von bis zu 500.000 Menschen, die den heftigen Kämpfen zwischen Dschihadisten und Militär in Mossul entkommen wollen. Sogar Soldaten sollen unter ihnen sein.

Offenbar wird der Vormarsch der Aufständischen dadurch gefördert, dass mehr und mehr irakische Soldaten desertieren oder zu den Rebellen überlaufen. Wie die "New York Times"  berichtet, zogen viele Soldaten ihre Uniformen aus und legten die Waffen nieder, um mit den Zivilisten zu fliehen. Dem Bericht zufolge befreiten die Dschihadisten Tausende Gefangene, besetzten Militärstationen, Banken und Verwaltungsgebäude und hissten die Flagge des Isis, des "Islamischen Staats im Irak und Syrien" (Isis). Die Extremisten hatten die zweitgrößte irakische Stadt nach tagelängen Kämpfen am Dienstag eingenommen.

Einen Tag nach der Machtübernahme in der zweitgrößten Stadt des Landes, Mossul, haben die Aufständischen nun auch die Industriestadt Baidschi eingenommen. "Aufständische des Isis sind über Nacht aufmarschiert und haben das Gerichtsgebäude sowie eine Polizeiwache im Stadtzentrum in Brand gesteckt", berichtete ein Sicherheitsvertreter dem Fernsehsender Al-Sumaria News. Zudem hätten die Extremisten Waffen der Streitkräfte beschlagnahmt.

In der Stadt befindet sich die größte Ölraffinerie des Landes. Irakische Sicherheitskräfte berichteten am Mittwoch, die Militanten hätten ein Gerichtsgebäude und eine Polizeistation in Brand gesteckt.

Die Raffinerie wird von rund 250 Wärtern bewacht. Laut den Sicherheitskräften hätten die Aufständischen jedoch eine Delegation gesandt, um diese davon zu überzeugen, sich zurückzuziehen. Demnach hätten die Wärter zugestimmt - unter der Bedingung, dass sie sicher in eine andere Stadt gebracht würden.

Ban Ki Moon sehr besorgt

Der irakische Premierminister Nouri Maliki forderte das Parlament auf, den Ausnahmezustand zu verhängen, um ihm größere Eingriffsmöglichkeiten zu gewährleisten. Ein Sprecher des Uno-Generalsekretärs Ban Ki Moon sagte mit Blick auf die Fluchtbewegungen und Kämpfe, er sei "sehr besorgt".

Auch außerhalb Mossuls bringen radikalislamische Aufständische immer mehr Gebiete unter ihre Kontrolle. Nach den Provinzen Ninive und Kirkuk haben die Dschihadisten auch Teile in der Provinz Salaheddin dazugewonnen. Es ist das erste Mal, dass Rebellen im Irak ganze Gebiete kontrollieren.

Offenbar gehen große Teile der Fluchtbewegung Richtung Süden nach Bagdad und in die kurdischen Gebiete im östlichen Teil des Landes. Die kilometerlangen Staus entstehen an den Kontrollstellen an den Ausfahrten der Städte.

Ein Brigadegeneral und ein örtlicher Regierungsvertreter sagten, die Sicherheitskräfte hätten sich aus den betroffenen Regionen zurückziehen müssen. Dem Angaben zufolge gaben die Sicherheitskräfte oftmals kampflos ihre Stellungen auf.

kes/vk/AP/dpa/Reuters
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