Irak Extremisten töten wieder eine Geisel

Islamistische Kidnapper haben im Irak erneut eine Geisel umgebracht. Auf einem Videoband hielten sie die Enthauptung eines türkischen Lastwagenfahrers fest. In Ramadi und in der so genannten Grünen Zone in Bagdad kam es wieder zu Anschlägen und Bombardements, bei denen viele Menschen starben.


Bagdad - Die Geiselnehmer veröffentlichten das Video von dem Mord an ihrer Geisel im Internet. Die Ansar a-Sunnah-Gruppe stellte es auf ihre Homepage. Man sieht darauf einen Mann, der einen Ausweis kurz in die Kamera hält und einige Worte auf türkisch spricht. Anschließend schneiden ihm seine Mörder den Kopf ab. Die Täter bezeichnen sich als Angehörige der Tawhid und Dschihad-Gruppe, die bereits mehrere Ausländer entführt und ermordet hat. Die Bande des Extremisten Abu Mussab al-Sarkawi tötete auch den Briten Kenneth Bigley.

Bei Kämpfen in der irakischen Stadt Ramadi sind acht Menschen getötet und 17 verletzt worden. Das teilte das Stadtkrankenhaus in der sunnitischen Widerstandshochburg mit. US-Truppen waren gestern in die Stadt einmarschiert. Mit einer Offensive von Bagdad bis zur syrischen Grenze haben amerikanische und irakische Soldaten in den vergangenen Tagen versucht, die Lage in den sunnitischen Gebieten vor Beginn des Fastenmonats Ramadan unter Kontrolle zu bekommen. Im Ramadan vor einem Jahr hatte es eine Anschlagswelle gegeben.

Einwohner Ramadis berichteten, die US-Soldaten seien heute früh aus dem Stadtzentrum wieder abgerückt. Die US-Streitkräfte teilten zunächst nichts über die Kämpfe mit.

Terror-Bekenntnis im Internet

In Bagdad erschütterten heute zwei Explosionen die so genannte Grüne Zone, in der sich Regierungsgebäude und die US-Botschaft befinden. Bei den aufeinander folgenden Detonationen vor einem Café und einem Basar starben nach US-Angaben zehn Zivilisten, sechs irakische und vier amerikanische Zivilisten. 20 weitere wurden verletzt. Die Terrorgruppe Tawhid wa-Dschihad des Jordaniers Abu Mussab al-Sarkawi bekannte sich im Internet zu den Anschlägen, die zwei ihrer Mitglieder ausgeführt hätten.

Nach Einschätzung des US-Militärs waren die Sprengladungen "von Hand" zu den Tatorten gebracht worden. Die Angriffe waren der bisher schwerste Zwischenfall in dem abgeriegelten Areal, in dem die US-Botschaft und die irakische Übergangsregierung ihren Sitz haben und in dem zahlreiche westliche Vertragspartner des US-Militärs wohnen und arbeiten. In der Vergangenheit hatten Rebellen die Zone zwar immer wieder mit Mörsergranaten und Raketen beschossen. Die Attacken waren aber meist ungenau, Menschen kamen dabei nur selten zu Schaden. Die Vorkommnisse zeigen, dass die Aufständischen offensichtlich in der Lage sind, sogar die am schärfsten bewachte Einrichtung im Irak zu infiltrieren.

In Mosul überfielen am Donnerstagnachmittag nach Augenzeugenberichten vier Männer den Fotografen einer Nachrichtenagentur. Die Hintergründe der Tat sind unklar. Journalisten sind im Irak zunehmend zur Zielscheibe von Entführern und Aufständischen geworden. Die meisten westlichen Medien haben ihre Mitarbeiter deshalb aus dem Golfstaat zurückgezogen.

Festnahmen bei US-Razzien

Auf eine US-Fahrzeugkolonne westlich von Bagdad wurde gestern ein Sprengstoffanschlag verübt. Augenzeugen berichteten heute, ein Iraker sei getötet und acht weitere Personen seien verletzt worden. Der Sprengsatz sei in Chan Dhari explodiert, als US-Militärfahrzeuge vorbeifuhren.

In Bakuba wurden zwei irakische Offiziere erschossen. Die Attentäter waren mit ihrem Auto neben das der Soldaten gefahren und eröffneten das Feuer, sagte ein irakischer Militärsprecher. Es war der zweite Anschlag nach diesem Muster innerhalb von zwei Tagen: Gestern war ein Polizeihauptmann erschossen worden.

Die US-Streitkräfte teilten mit, dass bei Razzien in dem 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad gelegenen Bakuba zehn Personen festgenommen worden seien. Unter den Verdächtigen würden zwei Führer der Aufständischen vermutet, hieß es.

Eine jordanische Geisel im Irak wurde unterdessen nach Zahlung eines Lösegelds von 50.000 Dollar freigelassen. Das teilte die Familie des Lkw-Fahrers mit, der für eine jordanische Firma arbeitet. Die Entführer hatten auch gefordert, dass die Firma ihre Tätigkeit in Irak einstelle.

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