Irak Foltervorwürfe gegen niederländische Soldaten

Niederländische Soldaten sollen bei ihrem Einsatz im Irak vor drei Jahren Gefangene misshandelt haben. Häftlinge seien mit Wasser übergossen worden, um sie vom Schlaf abzuhalten, berichtet die Zeitung "Volkskrant".


Den Haag - Angehörige des niederländischen militärischen Geheimdienstes hätten Gefangene bei Verhören in Samawa südöstlich von Bagdad im November 2003 starken Lichtquellen und lauten Geräuschen ausgesetzt. Häftlinge seien mit Wasser übergossen worden, um sie vom Schlafen abzuhalten, heißt es in dem Artikel von "Volkskrant".

Holländische Soldaten im Irak: Häftlinge misshandelt?
AP

Holländische Soldaten im Irak: Häftlinge misshandelt?

Ein Ministeriumssprecher habe zugegeben, dass es Vorfälle gegeben habe, "die nicht zu den Vorschriften passen". Die Zeitung beschreibt die Verhörpraktiken als "Folter". Führende Militärs seien über die Vorgänge informiert worden, doch habe niemand Anzeige erstattet.

Luuk Kroon, damals der höchste niederländische Militärchef, sagte dem "Volkskrant", er lehne einen Kommentar ab. Er könne sich an diese Vorgänge nicht erinnern. "Das heißt nicht, dass es nicht gemeldet wurde."

Üblicherweise wurden die Gefangenen maximal vier Tage von den Holländern festgehalten, ehe sie dann an die Briten weitergegeben wurden, die den Oberbefehl in der Provinz im Süden des Iraks hatten. Die Niederlande hatten dort rund 1400 Soldaten stationiert, die im vergangenen Jahr fast alle abgezogen wurden. Derzeit sind noch rund 15 holländische Soldaten im Irak im Einsatz.

Die niederländische Militärgewerkschaft nahm die holländischen Soldaten gegen die Vorwürfe in Schutz. Die Bataillonsführung habe zu sehr auf die Briten gehört. "Die Offiziere haben nur Befehle ausgeführt", sagte deren Vorsitzender Wim van den Burg.

Die Mitte-Rechts-Regierung in Den Haag hat die von den USA und Großbritannien angeführte Invasion im Irak politisch immer unterstützt, doch erst nach dem Krieg auch Soldaten geschickt. In den Niederlanden wird am kommenden Mittwoch ein neues Parlament gewählt.

als/dpa/AP, mit Material aus dem "Volkskrant"

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