Irak Hafen von Basra schließt aus Protest gegen Anschläge

Nach der verheerenden Serie von Terrorakten in Bagdad wollen die Behörden heute den Hafen der südirakischen Stadt Basra schließen. In der Hauptstadt hat ein Trauerzug für die Opfer der Anschläge begonnen.

Bagdad - Transport und Verkehr werden heute im Irak drastisch eingeschränkt. Aus Protest gegen die verheerende Anschlagsserie in Bagdad schließen der Hafen und der Flughafen der südirakischen Stadt Basra. Wie lange die Sperre dauern soll, ist bisher noch unklar. Basra ist wirtschaftlich wichtig für den gesamten Irak, da über die Hafenstadt bedeutsame Mengen an Öl exportiert werden. Auch der Flughafen von Bagdad wurde nach den Anschlägen gesperrt. Die irakische Regierung hatte auf die Gewaltakte zudem mit einer unbefristeten Ausgangssperre reagiert.

Im Bagdader Armenviertel Sadr City hat am Morgen der Trauerzug zur Beisetzung der Opfer begonnen. Hunderte von Männern, Frauen und Kindern begleiteten die Särge zu Beginn ihrer 160 Kilometer weiten Fahrt nach Nadschaf. In der Heiligen Stadt der Schiiten sollen die Toten ihre letzte Ruhe finden.

Ministerpräsident Nuri al-Maliki wies die Polizei an, den Trauerzug vor Anschlägen zu sichern. Für ganz Bagdad wurde ein 24-stündiges Ausgehverbot verhängt, um weitere Anschläge oder Racheakte zu verhindern.

Sunnitische Aufständische brachten am Donnerstag mehrere Autobomben in Sadr City zur Explosion und schossen Mörsergranaten ab. Es war die schwerste Anschlagsserie in Bagdad seit der US-Invasion. Mindestens 161 Menschen kamen ums Leben, 257 wurden verletzt. Schiitische Extremisten griffen danach die Abu-Hanifa-Moschee in Bagdad, das höchste Heiligtum der Sunniten in der Hauptstadt, mit Granaten an. Außerdem wurden das Büro der sunnitischen Vereinigung Muslimischer Geistlicher und ein sunnitisches Wohnviertel beschossen. Mindestens zehn Menschen kamen ums Leben.

Die irakische Regierung rief zu Ruhe auf. Führende schiitische, sunnitische und kurdische Politiker appellierten ebenfalls gemeinsam an die Bevölkerung, Ruhe in das Land einkehren zu lassen. Einen derartigen Schulterschluss gab es seit Februar nicht mehr, als die Bombardierung eines schiitischen Schreins eine Welle von religiös motivierten Gewalttaten auslöste. Westliche Experten verglichen ihrerseits die Anschlagserie vom Donnerstag mit dem Angriff auf den schiitischen Schrein in Samarra.

Sadr City ist die Hochburg der Mahdi-Miliz des radikalen schiitischen Predigers Muktada al Sadr. Seine Anhänger errichteten Straßensperren und verweigerten allen Fremden den Zutritt zu dem Stadtteil.

ler/AP/Reuters

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