Irak Hunderte Tote bei Massenpanik in Bagdad

Bei einer Massenpanik auf einer Brücke während eines schiitischen Pilgerfests in Bagdad sind Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Das irakische Gesundheitsministerium spricht inzwischen von bis zu 1000 Toten. Gerüchte über Selbstmordattentäter sollen die Panik ausgelöst haben.


Schuhe der Pilger: Es werden Hunderte Tote nach der Massenpanik in Bagdad befürchtet
DDP

Schuhe der Pilger: Es werden Hunderte Tote nach der Massenpanik in Bagdad befürchtet

Bagdad - Augenzeugen berichteten, das Gerücht über einen Selbstmordattentäter inmitten der Pilger habe die Runde gemacht. Nach anderen Angaben seien die Menschen durch das Gedränge und die Hitze in Panik geraten. Eine Augenzeugin berichtete: "Tausende von Menschen standen dicht an dicht auf der al-Aima-Brücke, in dem Gedränge und bei der Hitze wurden einige ohnmächtig, vor allem die Kinder bekamen keine Luft mehr." Vom Fenster ihres Hauses aus verfolgte die Frau, wie Hunderte von Menschen in den Fluss fielen.

Der irakische Vize-Minister für Gesundheit, Dschalil Schomarri, teilte mit, mindestens 500 Menschen seien ums Leben gekommen. Der stellvertretende Innenminister Hussein Ali Kemal nannte eine Opferzahl von mindestens 640. Das irakische Gesundheitsministerium teilte am Mittag mit, die Zahl der Toten könne bis auf 1000 steigen.

Der arabische Nachrichtensender al-Arabija zeigte Bilder aus einem Krankenhaus, auf dessen Fluren Dutzende von Leichen lagen. Nach Augenzeugenberichten wurden zahlreiche Pilger zu Tode gedrückt und zu Tode getrampelt, die meisten Opfer aber stürzten von der Brücke und ertranken im Tigris, nachdem das Brückengeländer unter dem Druck der Massen eingestürzt war. Am Ufer des Flusses stiegen Hunderte Männer in die Schlammfluten und suchten verzweifelt nach Angehörigen.

Nach Fernsehberichten strömten eine Million Gläubige im Norden von Bagdad zum Heiligtum des Imam Mussa al-Kadim, dessen Todestag alljährlich begangen wird. Bei einem Mörserangriff auf die Kultstätte waren zuvor sieben Menschen getötet worden, 35 wurden verletzt.

Die Pilger setzten ihre religiösen Rituale trotz der Katastrophe fort. Wie der Nachrichtensender al-Arabija berichtete, riefen schiitische Geistliche die Gläubigen zur Ruhe auf. Übergangsregierungschef Ibrahim al-Dschaafari ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Im März 2003 waren bei Anschlägen auf schiitische Pilger an derselben Wallfahrtstätte Dutzende Menschen getötet worden.

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