Irak In Nadschaf und Kerbela eskaliert die Gewalt

17 Iraker wurden in den Schiitenstädten Nadschaf und Kerbela getötet, als US-Soldaten von Hubschraubern aus auf eine Gruppe von Milizionären schossen. Bei Luftangriffen an der Grenze zu Syrien wurden mindestens 40 Menschen getötet - angeblich Gäste einer Hochzeitsparty. Das US-Militär erklärte, man habe Kämpfer attackiert.


Opfer, Angehörige: Gäste einer Hochzeitsgesellschaft oder Kämpfer?
AP

Opfer, Angehörige: Gäste einer Hochzeitsgesellschaft oder Kämpfer?

Bagdad - Augenzeugen berichteten, US-Soldaten hätten im Zentrum von Kerbela von einem Hubschrauber aus auf eine Gruppe von Milizionären der "Mahdi-Armee" gefeuert. Dabei seien neun Iraker getötet und 16 weitere Menschen verletzt worden. Drei weitere Todesopfer und sechs Verwundete seien heute Morgen nach einem Gefecht im Norden der Stadt ins Krankenhaus gebracht worden. Auf den Straßen lägen noch Tote und Verletzte, die bislang hätten nicht geborgen werden können.

In Nadschaf griffen Anhänger des radikalen Predigers Muktada al-Sadr am Morgen eine US-Einheit an, die das Gebäude der Provinzverwaltung besetzt hatte. Nach Angaben des Krankenhausarztes von Walid al-Jassiri starben bei den Gefechten fünf Iraker, darunter ein Polizist. 13 weitere Menschen wurden verletzt. In Bagdad wurde am Morgen ein US-Soldat getötet. Drei weitere Soldaten seien verletzt, teilten die Besatzungstruppen mit. Die Angreifer hätten im Zentrum der irakischen Hauptstadt mehrere Handgranaten geworfen.

Meldungen, wonach Zivilisten von Besatzungssoldaten erschossen wurden, dementierte die US-Armee. Mehrere Meiden hatten berichtet, die 41 Opfer seien Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft im Dorf Makr el Deeb gewesen. US-Brigadegeneral Mark Kimmitt versicherte jedoch, die Aktion an der Grenze zu Syrien habe ausländischen Kämpfern gegolten, die sich dort versteckt gehalten hätten. "Wir sind vom Boden aus beschossen worden und haben das Feuer erwidert." Der Angriff am frühen Mittwochmorgen habe im Einklang mit den militärischen Regeln gestanden. Die US-Armee erklärte, "Koalitionsstreitkräfte kamen unter feindliches Feuer, sie wurden aus der Luft unterstützt." US-Soldaten hätten eine große Geldsumme, syrische Pässe und Satelliten gestützte Kommunikationsgeräte gefunden.

In einem TV-Beitrag von al-Arabija hieß es dagegen, US-Kampfflugzeuge hätten das Dorf angegriffen, wo gerade eine Hochzeitsfeier stattgefunden habe. Ein Dorfbewohner sagte in dem Bericht, "sie haben zwei Häuser angegriffen, wo die Hochzeit stattfand und dann haben sie das ganze Dorf dem Erdboden gemacht. ... Wir haben keine Schüsse abgegeben."

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