Irak Invasion der Uno-Inspektoren

Immer mehr Uno-Waffeninspekteure treffen im Irak ein. Sie wollen weitere Standorte außerhalb Bagdads aufbauen. Am Montag stand zum dritten Mal die Durchsuchung des Geländes des zerstörten irakischen Atomreaktors in al-Tuwaitha südlich von Bagdad auf dem Programm.


Inspekteure in Fullujah, 50 Kilometer nordwestlich von Bagdad
AFP

Inspekteure in Fullujah, 50 Kilometer nordwestlich von Bagdad

Bagdad - Augenzeugen berichteten, dass ein Team der Uno-Waffenkontrollkommission (Unmovic) außerdem zu einer chemischen Fabrik in Feludscha, nordwestlich der Hauptstadt gefahren ist. In der Region gibt es mehrere Fabriken der Rüstungsindustrie.

Am Wochenende trafen 25 weitere Uno-Experten im Irak ein. Damit arbeiten inzwischen 42 Waffeninspekteure im Land. Innerhalb der kommenden zwei Tage soll das Team in Bagdad um noch einmal 30 Inspekteure aufgestockt werden. Es gibt Pläne, dass die Uno einen weiteren Standort in Mosul im Norden des Landes einrichten will. Ein drittes Büro soll später in der südlichen Hafenstadt Basra folgen.

Die Regierung in Bagdad und die Waffeninspekteure warten unterdessen mit Spannung auf eine erste Einschätzung der Uno zu dem irakischen Bericht über die Rüstungsprogramme des Landes.

Zuvor hatten sich die USA im Bemühen, möglichst früh Einblick in den Waffenbericht der Iraker zu bekommen, durchgesetzt: Überraschend erklärte sich der Weltsicherheitsrat bereit, den Amerikanern, Russland, China, Großbritannien und Frankreich vollen Zugang zu dem irakischen Waffenbericht zu gewähren. US-Präsident Bush kann damit parallel zur Uno die Angaben Saddam Husseins überprüfen.

Am Freitag hatte der Weltsicherheitsrat noch erklärt, die Kopien würden erst übersetzt, analysiert und bezüglich sensibler Inhalte überprüft werden müssen, bevor es an die Ratsmitglieder verteilt werden könne. Nun muss die US-Regierung nicht Wochen lang warten, bevor sie mit ihrer eigenen Übersetzung und Auswertung der Dokumente beginnen kann.

Die vom Irak vorgelegten Dokumente über das Waffenprogramm des Landes waren Sonntagabend in Wien und New York eingetroffen. Uno-Chefinspektor Hans Blix erklärte, seine Mitarbeiter würden sofort mit der Sichtung des 12.000 Seiten dicken Dossiers beginnen.

Inspektion in Fellujah: In einer Fabrik wird Chlor und Phenol produziert
DPA

Inspektion in Fellujah: In einer Fabrik wird Chlor und Phenol produziert

Ein Teil des Berichts wird in Wien analysiert werden. Er umfasst die Angaben über das irakische Atomprogramm. Fachleute der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wollten auch dort umgehend mit der Prüfung der Daten beginnen.

Die Regierungen in Washington und London bekräftigten am Wochenende ihre Zweifel an der Aufrichtigkeit der Führung in Bagdad. Der Irak dagegen rief die Skeptiker zur Vorlage von Gegenbeweisen auf.

Bagdad erfüllt mit der Abgabe der Waffen-Deklaration eine Forderung des Sicherheitsrates. In der Uno-Resolution 1441 vom 8. November war der Irak aufgefordert worden, innerhalb eines Monats "eine genaue, vollständige und umfassende Erklärung" zu allen Rüstungsprojekten vorzulegen. Dazu gehören auch Maschinen und Materialien, die sowohl für militärische als auch für zivile Zwecke verwendet werden können ("Dual Use"). Zum Beispiel lässt sich Chlor sowohl zur Reinigung von Wasser als auch für chemische Kampfstoffe einsetzen.



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