Mossul Dschihadisten kontrollieren zweitgrößte Stadt des Irak

Weite Gebiete der zweitgrößten Stadt des Irak sind in der Hand dschihadistischer Kämpfer. Nach tagelangen Gefechten haben sie Mossul eingenommen. Die Regierung hat eingestanden, die Kontrolle über die gesamte Provinz Ninawa verloren zu haben.
Irakische Soldaten in der Nähe von Mossul: Islamisten nehmen die Stadt im Nordirak ein

Irakische Soldaten in der Nähe von Mossul: Islamisten nehmen die Stadt im Nordirak ein

Foto: HAIDAR HAMDANI/ AFP

Bagdad - Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) haben den Sitz der Provinzregierung und andere staatliche Einrichtungen in Mossul erobert. Die Extremisten stürmten zudem mehrere Gefängnisse und ließen mehr als 1400 Häftlinge in der nordirakischen Stadt frei.

Athil al-Nudschaifi, Gouverneur der Provinz Ninawa, in der Mossul liegt, sagte am Dienstag, die Regierungstruppen hätten sich zurückgezogen. Tags zuvor hatte er die Einwohner noch zum Widerstand gegen die Angreifer aufgerufen. Der Appell blieb folgenlos. Die Stadt ist wegen der nahegelegenen Ölfelder strategisch besonders wichtig.

Tausende Bewohner seien aus der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt geflohen. Laut Augenzeugen sollen die Dschihadisten über zahlreichen Gebäuden das schwarze Banner mit dem islamischen Glaubensbekenntnis gehisst haben. Die Flagge ist das Symbol der sunnitischen Terrorgruppe.

Machtkampf in Bagdad

Parlamentspräsident Ussama al-Nudschaifi sagte am Dienstag auf einer Pressekonferenz, die gesamte Provinz Ninawa sei "in die Hände der Aufständischen gefallen". Nun wollten die Rebellen in die Nachbarprovinz Salaheddin "einfallen".

Nudschaifi forderte, nun müssten "alle Kräfte im Irak mobilisiert und internationale Anführer gewarnt" werden, um dieser "Terroroffensive die Stirn zu bieten". Andernfalls werde diese sich auf den gesamten Irak ausweiten.

Die Isis-Offensive in Mossul bildet den vorläufigen Höhepunkt der Gewalteskalation im Irak. Das Land erlebt die schwerste Terrorwelle seit 2007. Allein am Wochenende kamen im Irak mehr als hundert Menschen ums Leben. Am Dienstag tötete ein Selbstmordattentäter während einer Trauerfeier in Bakuba mindestens 35 Menschen.

Die Dschihadisten haben seit Jahresbeginn bereits die Stadt Falludscha und weite Teile der westirakischen Provinz Anbar unter ihre Kontrolle gebracht. Von dort aus planen sie regelmäßig Angriffe gegen die Hauptstadt Bagdad. Auch die Grenze zu Syrien wird in weiten Teilen von Isis kontrolliert.

Verschärft wird die Lage durch den Machtkampf in Bagdad. Der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki hat zwar die Parlamentswahlen Ende April gewonnen, ihm fehlen jedoch Koalitionspartner für die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung. Die Regierungsbildung könnte sich noch Monate hinziehen.

syd/AP/dpa