Irak Italienische Geiseln sind frei

Die beiden im Irak entführten Italienerinnen sind wieder in Freiheit. Sie wurden in Bagdad einem italienischen Diplomaten übergeben und flogen anschließend nach Rom. Auch ein im Gaza-Streifen entführter Mitarbeiter des Nachrichtensenders CNN wurde aus seiner Geiselhaft entlassen.


Simona Pari und Simona Torretta (auf einem Plakat in Rom): Wieder in Freiheit
AFP

Simona Pari und Simona Torretta (auf einem Plakat in Rom): Wieder in Freiheit

Bagdad - Die beiden 29 Jahre alten Frauen kamen am späten Dienstagabend auf dem Flughafen in Rom an. Sie machten einen gesundheitlich guten Eindruck und trugen lange weiße Gewänder. "Uns geht es gut", sagten sie übereinstimmend nach Angaben des italienischen Fernsehens. "Wir sind mit viel Respekt behandelt worden", fügte Simona Torretta hinzu.

Sofort nach der Ankunft wollte die italienische Staatsanwaltschaft von den beiden Frauen erste Einzelheiten über das Geiseldrama erfahren, hieß es weiter. Unklar ist nach wie vor, ob für ihre Freilassung Lösegeld bezahlt wurde, wie eine kuwaitische Zeitung zuvor berichtet hatte. Italiens Außenminister Franco Frattini sagte dagegen nach Angaben des italienischen Fernsehens, es sei kein Lösegeld gezahlt worden.

Die beiden Frauen seien an zwei verschiedenen Stellen freigelassen worden, hieß es ohne Angaben von Einzelheiten im italienischen Fernsehen weiter. Auch zwei Iraker, die zusammen mit ihnen vor drei Wochen verschleppt worden waren, seien wieder auf freiem Fuß. "Das ist ein Tag der Freude für alle Italiener," meinte der italienische Europaminister Rocco Buttiglione.

Auch von den insgesamt sechs in der vergangenen Woche entführten ägyptischen Geiseln wurden am Dienstag vier freigelassen, wie ihr Arbeitgeber mitteilte. Die Firma Orascom bemühe sich intensiv um die Freilassung der zwei in der Gewalt der Kidnapper verbliebenen Männer, teilte das Telekommunikationsunternehmen mit.

Die beiden 29 Jahre alten Italienerinnen hatten sich für eine private Hilfsorganisation in Bagdad in Bildungs- und Trinkwasserprojekten engagiert. Sie wurden am 7. September verschleppt. In der vergangenen Woche hieß es mehrfach, sie seien getötet worden.

Die kuweitische Zeitung "Al-Rai al-Aam" hatte am Dienstag jedoch berichtet, die Frauen sollten gegen Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von einer Million Dollar freigelassen werden. Die Entführer hätten bereits gestern die Hälfte der Summe erhalten. Ein Unterhändler solle den Rest des Geldes übergeben und dabei die Frauen in Empfang nehmen. Heute war zudem ein hochrangiges Mitglied der islamischen Gemeinde in Italien in Bagdad eingetroffen, um vor Ort über die Freilassung der beiden Frauen zu verhandeln.

Die Terrorgruppe um den Jordanier Mussab al-Sarkawi bekannte sich heute dazu, eine irakische Polizistin ermordet und drei ihrer Kolleginnen entführt zu haben. Die Gruppe "Tawhid wa Dschihad" ("Göttliche Einheit und heiliger Krieg") warf den Frauen vor, Mitarbeiterinnen des irakischen Geheimdienstes zu sein.

CNN-Mitarbeiter wieder in Freiheit

CNN-Mitarbeiter Riyad Ali: Freilassung nach einem Tag in Gefangenschaft
AP

CNN-Mitarbeiter Riyad Ali: Freilassung nach einem Tag in Gefangenschaft

Auch der im Gaza-Streifen verschleppte Mitarbeiter des US-Nachrichtensenders CNN wurde heute freigelassen. Der Mitarbeiter sei einen Tag nach seiner Entführung einer Polizeiwache in Gaza-Stadt übergeben worden, teilte die Polizei mit. CNN bestätigte die Freilassung ihres TV-Produzenten. Die Identität der Entführer und deren Motivation waren weiter unklar. Der arabisch-israelische Mann war von Unbekannten mit vorgehaltener Pistole aus einem Fahrzeug auf einer Hauptstraße in Gaza-Stadt entführt worden.

Nach seiner Freilassung sagte er vor Journalisten in Gaza, seine Entführer hätten sich als Mitglieder der Al-Aksa-Märtyrerbrigaden ausgegeben. Diese Organisation, die der Fatah des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat nahe steht, bestritt eine Tatbeteiligung. Alis Vater erklärte, Arafat habe die Freilassung seines Sohnes erreicht. Sämtliche militanten Palästinensergruppen hatten eine Beteiligung an der Tat bestritten. Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kurei hatte die Entführung verurteilt: "Es ist falsch und kriminell. Es muss beendet werden. Was soll das bringen?"

Seit Israel Pläne für einen einseitigen Abzug aus dem Gaza-Streifen verfolgt, hat die Gewalt in dem schmalen Küstenstreifen zugenommen. Extremisten wollen den Abzug als Erfolg ihrer Gewalt verstanden wissen und verschiedene Palästinenser-Gruppen konkurrieren gleichzeitig um Macht und Einfluss für die Zeit danach.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.