Irak Italienische Truppen ziehen bis Jahresende ab

Die rund 2600 noch im Irak stationierten italienischen Soldaten kehren bis Ende 2006 in die Heimat zurück. Bereits bis Juni sollen 1000 von ihnen das Land verlassen, kündigte Verteidigungsminister Antonio Martino heute in Rom an.


Rom - "Unsere Militäroperation 'Antikes Irak' wird im Jahr 2006 schrittweise zu Ende geführt", sagte Martino vor einem Parlamentsausschuss. "Zum Jahresende werden wir die Operation für beendet erklären." Schon im Januar wolle man 300 Soldaten nach Hause holen, die ersten Soldaten waren bereits im vergangenen Jahr nach Italien zurückgezogen worden. Man sei aber bereit, zivile Wiederaufbauhilfe zu leisten.

Italien hat nach den USA, Großbritannien und Südkorea das viertgrößte Truppenkontingent im Irak. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte nach dem Ende der Hauptkampfhandlungen im Frühjahr 2003 zunächst gut 3000 Mann in den Irak geschickt.

Die USA haben derzeit etwa 160.000 Soldaten im Irak, Großbritannien 8500 und Südkorea rund 3200. Trupenreduzierungen sind in den jeweiligen Ländern geplant. Berlusconi gilt als enger Freund von US-Präsident George W. Bush, allerdings ist die Truppenpräsenz im Irak in der italienischen Öffentlichkeit sehr umstritten. Im April stehen in Italien Parlamentswahlen an: Berlusconis Herausforderer Romano Prodi hatte bereits angekündigt, im Falle eines Wahlsieges werde er die Soldaten rasch abziehen.

Im November 2003 waren bei einem Selbstmordanschlag auf das italienische Militärhauptquartier im südirakischen Nasirija 17 Soldaten und zwei Zivilisten aus Italien ums Leben gekommen. Islamistische Terroristen haben nach Angaben von Geheimdiensten mehrfach mit schweren Anschlägen in Italien gedroht, falls die Regierung in Rom die Truppen nicht abzieht. Mehrere Italiener und Italienerinnen waren im Irak entführt worden, um Druck auf Rom auszuüben. Ein italienischer Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma wurde ermordet.

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