Anti-IS-Offensive Mindestens 9000 Zivilisten sollen bei Kampf um Mossul getötet worden sein

Neun Monate tobte die Schlacht um Mossul im Irak. Die Anti-IS-Koalition setzte auf eine massive Boden-Luft-Offensive. Dabei sind offenbar fast zehn Mal so viele Zivilisten getötet worden, wie bislang bekannt.

Flucht aus IS-Gebiet in Mossul (Archiv)
REUTERS

Flucht aus IS-Gebiet in Mossul (Archiv)


Im Juli meldete die irakische Armee die vollständige Eroberung der Stadt Mossul von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die Schlacht hatte neun Monate angedauert. Der Nachrichtenagentur AP zufolge wurden bei den Kämpfen zwischen 9000 und 11.000 Menschen getötet - die Zahl der zivilen Opfer sei damit fast zehn Mal so hoch wie bislang berichtet.

Die nun genannte Zahl der Toten wird von keiner der Kriegsparteien - der Anti-IS-Koalition, der irakischen Regierung und dem IS - bestätigt. Die irakische Armee und ihre Partner sollen demnach für den Tod von mindestens 3200 Zivilisten verantwortlich sein, wie AP berichtet, die Listen von Leichenhäusern und verschiedene Datenbanken von Nichtregierungsorganisationen ausgewertet hat.

Bislang spricht die Anti-IS-Koalition von 326 Menschen, die durch Luftschläge und Artilleriebeschuss ums Leben gekommen seien.

"Größter Angriff auf eine Stadt seit Generationen"

"Es war der größte Angriff auf eine Stadt seit mehreren Generationen", sagt Chris Woods, Leiter des Informationsdienstes "Airwars", der zivile Opfer des Kriegs gegen den IS registriert. Ein Sprecher der Anti-IS-Koalition verteidigte das Vorgehen. Ohne die Luft- und Bodenoffensive gegen die Terrormiliz hätte es noch "Jahre, wenn nicht Jahrzehnte des Leidens" gegeben.

Der für den Kampf gegen den IS zuständige US-General Stephen J. Townsend sagte der "New York Times" vor wenigen Monaten, es sei der härteste Kampf gewesen, den er in seiner 35-jährigen Laufbahn erlebt habe.

"Es war wie Falludscha auf Steroiden", sagte er - ein Verweis auf die 2004 im Irak gegen Dschihadisten durchgeführte Operation "Phantom Fury", die als erbittertste Schlacht gilt, die US-Marines seit dem Vietnamkrieg geschlagen haben. Die Stadt Falludscha war damals eine Hochburg militanter Islamisten gewesen.

dop/AP



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