Irak-Konferenz Uno erklärt Unterstützung - erlässt aber keine Schulden

Allgemeines Wohlwollen, aber keine Zusagen: Die erste Irak-Konferenz der Vereinten Nationen in Stockholm ist mit einer allgemeinen Unterstützungserklärung zu Ende gegangen - jedoch ohne den von Bagdad erbetenen Schuldenerlass.


Stockholm - Eine feste Zusage, dem Irak Schulden zu erlassen, wurde in Stockholm nicht getroffen. Die Teilnehmer der ersten Irak-Konferenz, die am heutigen Donnerstag in Stockholm stattgefunden hat, ermutigten Iraks Gläubiger aber, "eine Lösung der ausstehenden Schulden des Iraks in Betracht zu ziehen".

Iraks Premier Nuri al-Maliki, Schwedens Außenminister Carl Bildt, Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon:
REUTERS

Iraks Premier Nuri al-Maliki, Schwedens Außenminister Carl Bildt, Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon:

Iraks Premier Nuri Al-Maliki hatte zu Beginn der Konferenz indirekt Schuldenerlass gefordert. Die Auslandsschulden und die Kriegsreparationen, die noch aus Zeiten des Regimes von Saddam Hussein stammen, behinderten die Entwicklung und den Wiederaufbau des Iraks, sagte er. Al-Maliki sagte, seine Regierung habe den Irak vor dem Sturz "in den Abgrund des Bürgerkriegs" bewahrt.

Die irakische Forderung richtet sich vor allem an arabische Staaten, wie Finanzminister Bajan Dschabr erklärte. Der Irak schuldet dem Ausland umgerechnet mindestens 42,8 Milliarden Euro, das meiste davon Saudi-Arabien, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Mehrere arabische Gläubiger lehnen einen Schuldenerlass ab - keiner von ihnen schickte eine Delegation nach Stockholm.

An der eintägigen Konferenz nahmen 500 Delegierte aus Dutzenden Staaten und internationalen Organisationen teil. Vor Ort waren unter anderem Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, US-Außenministerin Condoleezza Rice und der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki.

Ban zeigte sich von den Gesprächen ermutigt. Rice räumte vor der Konferenz ein, dass die Lage im Irak allgemein mit Skepsis betrachtet werde. Dennoch müsse die Weltgemeinschaft die irakische Regierung unterstützen. Bagdad müsse dafür belohnt werden, Versprechen über die Verbesserung der Sicherheit und die Umsetzung politischer Reformen erfüllt zu haben. Der Irak sei inzwischen ein "vollständig funktionierendes System", dem Unterstützung von Freunden und Nachbarn nicht vorenthalten werden dürfe.

Die Delegierten in der schwedischen Hauptstadt beschlossen, bis 2012 jährlich weitere Konferenzen abzuhalten. Die nächste findet in Bagdad statt.

Bei einem Selbstmordanschlag im Nordwesten des Iraks kamen am Donnerstag mindestens 16 Menschen ums Leben.

Im vergangenen Jahr haben sich nach Angaben des Pentagons im Irak so viele US-Soldaten das Leben genommen wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht. Insgesamt 108 Truppenangehörige begingen demnach Selbstmord. 2006 hatten sich 102 US-Soldaten das Leben genommen, im Jahr zuvor waren es 85 gewesen.

ssu/AP/dpa



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