Irak-Krieg Bush nimmt auch Deutschland in die Pflicht

Für US-Präsident George W. Bush ist ein Krieg gegen den Irak angeblich die "letzte Wahl". Vor dem Nato-Gipfel in Prag machte er aber auch deutlich, dass die Amerikaner auf die Unterstützung ihrer Verbündeten wie Deutschland bauen.


Baut auf die Verbündeten der USA: Präsident George W. Bush
REUTERS

Baut auf die Verbündeten der USA: Präsident George W. Bush

Prag/Bagdad - Sollte eine Militäraktion gegen den Irak notwendig werden, müsse jedes Land für sich entscheiden, ob und auf welche Weise es dazu beitragen wolle, sagte Bush. "Was Deutschlands Rolle betrifft, so ist das eine Entscheidung, die Deutschland treffen wird, genauso wie Tschechien und Großbritannien", nahm der US-Präsident vor dem Prager Nato-Gipfel indirekt auch die Bundesregierung in die Pflicht.

Bush sagte nach einem Treffen mit seinem tschechischen Amtskollegen Vaclav Havel, die einzelnen Staaten hätten verschiedene Kapazitäten, und jedes könne einen entsprechenden Beitrag leisten. Er hoffe, dass der irakische Machthaber Saddam Hussein die Botschaft verstehe, dass er "so oder so" abrüsten müsse. Je größer die Gemeinsamkeit und die Entschlossenheit der Staatengemeinschaft zum Handeln sei, desto größer sei auch die Chance, das Problem Irak friedlich zu lösen. Ein Krieg sei zwar seine "letzte Wahl", sagte Bush. "Wenn der kollektive Wille der Welt stark ist, dann können wir eine friedliche Entwaffnung (des Irak) erreichen." Sollte es aber ennoch zu einem militärischen Konflikt kommen, dann "hoffen wir, dass unsere Freunde sich uns anschließen", betonte Bush.

Die US-Regierung hat bereits ihre Botschafter in 50 Ländern angewiesen, bei ihren Gastregierungen um konkrete Zusagen für einen möglichen Militärschlag Nachzusuchen. Das berichteten amerikanische Zeitungen. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon teilte in London mit, die USA hätten seine Regierung offiziell um die Bereitstellung von Truppen im Falle eines Angriffs gegen den Irak gebeten. Es sei aber noch keine Entscheidung über eine Militäraktion gefallen. Einzelheiten nannte er nicht.

Tschechien sagte den USA die Unterstützung Prags für den Fall zu, dass der Irak die Uno-Resolution nicht befolgen und die Entwaffnung des Regimes von Saddam Hussein nur gewaltsam möglich sein sollte. Nach Angaben von Regierungschef Vladimir Spidla könnte Prag eine ABC- Waffen-Schutz-Einheit zur Verfügung stellen.

Chefwaffenkontrolleur ist optimistisch

Uno-Chefwaffenkontrolleur Hans Blix reiste unterdessen zwei Tage nach Beginn seiner Irak-Mission wieder ab. Seine Anwesenheit bezeichnete er als dort derzeit nicht notwendig. Die eigentlichen Inspektionen sollen in einer Woche beginnen. Bis dahin wird die nötige Logistik aufgebaut. Nach einem Erfolg versprechenden Auftakt seiner Mission in Bagdad zeigte sich Blix bei einer Zwischenlandung im zyprischen Larnaka zuversichtlich, dass die Iraker alle Auflagen der neuen Uno-Resolution über verschärfte Waffenkontrollen erfüllen wollen. "Wir hatten gute Gespräche mit der irakischen Führung. Sie haben uns versichert, dass sie ihren Verpflichtungen nachkommen werden", sagte er. Der Irak hatte am Vortag versprochen, auch eine Waffenliste fristgerecht bis zum 8. Dezember vorzulegen.

Die britische Regierung forderte den Weltsicherheitsrat auf, zu prüfen, ob die jüngsten irakischen Angriffe auf alliierte Kontrollflüge in den Flugverbotszonen im Irak einen Verstoß gegen die Uno-Resolution 1441 darstellen. "Es ist durchaus relevant, wenn unsere Flugzeuge bei der Erfüllung ihrer humanitären Aufgaben angegriffen werden", sagte Verteidigungsminister Hoon. Der Uno-Sicherheitsrat sollte diesen Aspekt "nach Vorlage aller Beweise" in Betracht ziehen.

Die USA hatten die sich häufenden Zwischenfälle am Dienstag als eine "Provokation" bezeichnet, die gegen die neue Uno-Resolution über verschärfte Waffenkontrollen verstoße. Die irakische Seite stellt die Angriffe auf britische und US-Kampfflugzeuge als "Abwehrfeuer" dar.

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