Irak-Krieg Chirac knöpft sich die EU-Kandidaten vor

Nach dem Brüsseler EU-Gipfel hat Jacques Chirac den Beitrittskandidaten aus Osteuropa für ihre pro-amerikanische Haltung im Irak-Konflikt die Leviten gelesen. "Sie haben eine großartige Gelegenheit verpasst, den Mund zu halten", sagte Frankreichs Staatschef.

Brüssel - "Diese Länder haben sich nicht sehr gut benommen und die Gefahr durch eine zu schnelle Solidarisierung mit der amerikanischen Position nicht bedacht", schimpfte Chirac. Es sei von Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik und den baltischen Staaten kindisch und gefährlich gewesen, einen von Großbritannien und Spanien initiierten Brief mit zu unterzeichnen, in dem die Staaten die harte Haltung der USA in der Frage eines Militärschlags unterstützten. Die drei Staaten treten im Mai 2004 der Union bei. "Sie haben eine großartige Gelegenheit verpasst, den Mund zu halten", sagte Chirac.

"Wenn man zur Familie gehört (...) hat man mehr Rechte, als wenn man darum bittet, dazu zu gehören, und an der Tür klopft", wetterte der französische Staatschef. Auch sei es von Rumänien und Bulgarien unvorsichtig gewesen, sich so schnell mit der US-Position zu solidarisieren. Falls sie ihre Chancen auf einen Beitritt verringern wollten, "hätten sie kaum einen besseren Weg finden können, das zu tun." Die beiden Länder wollen bei der nächsten Erweiterung der EU aufgenommen werden. Chirac warnte davor, dass Spaltungen in Europa eine kritische Haltung gegenüber der EU-Erweiterung verstärken könnten.

Einige der 2004 beitretenden Länder hatten vor dem Treffen verärgert darauf reagiert, dass sie nicht zu dem Brüsseler Sondergipfel eingeladen wurden. Polen zog sich deswegen von einem Treffen der EU-Beitrittsländer zurück, bei dem die griechische Ratspräsidentschaft am Dienstag über die Ergebnisse des Gipfels informieren will. Das Land hat zuvor bereits mehrere EU-Mitglieder mit der Entscheidung gegen sich aufgebracht, Kampfflugzeuge aus amerikanischer und nicht aus französischer oder britisch-schwedischer Produktion zu bestellen. Damit erweckte Polen in der EU den Eindruck, vor allem an guten Beziehungen zu den USA interessiert zu sein.

Der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, sagte, er sei weniger verärgert als traurig darüber, dass Beitrittskandidaten eine pro-amerikanische Haltung eingenommen hätten. Dies zeige, dass sie noch nicht verstanden hätten, dass die EU mehr als eine Wirtschaftsgemeinschaft sei.

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