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13. September 2010, 19:37 Uhr

Irak-Krieg

Die grausamen Geheimnisse britischer Soldaten

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Die Truppen sind wieder zurück - und nun kommen in England immer mehr schreckliche Details des Irak-Krieges ans Licht. Soldaten ihrer Majestät stehen im Verdacht, Zivilisten ermordet zu haben. Aber in keinem Fall ist es zu einer Anklage gekommen.

London - Der britische Irak-Einsatz ist vorbei - doch der Krieg sorgt im Königreich immer noch für heftige Diskussionen. Am Montag wurde bekannt, dass mehrere britische Soldaten im Verdacht stehen, irakische Zivilisten ermordet zu haben.

Die Fälle sollen vom Verteidigungsministerium und der Armee-Strafbehörde (SPA) bisher nicht juristisch verfolgt worden sein, obwohl die Militärpolizei zumindest in einem Fall empfohlen hatte, die Verdächtigen wegen Mordes vor Gericht zu stellen.

Folgenlose Morde im Zweistromland

Der Iraker Tanik Mahmud wurde nach Angaben des "Guardian" im April 2003 bei einer Kontrolle von britischen Soldaten in der westirakischen Stadt Ramadi aus bisher nicht bekannten Gründen verhaftet und zusammen mit anderen Gefangenen in einem Hubschrauber in eine nahegelegene US-Militärbasis gebracht. Auf dem Flug dorthin musste Mahmud "schwerste Verletzungen zugefügt bekommen haben", heißt es in einer Stellungnahme des Verteidigungsministeriums.

So schwer, dass er den Flug nicht überlebte.

Die britische Militärpolizei soll den Fall nach acht Wochen untersucht und erst zehn Monate später einen Pathologen eingeschaltet haben, um nachzufragen, ob es sich lohne, eine Leichenuntersuchung vorzunehmen; der Mediziner sah aufgrund der Verwesung keine Möglichkeit mehr, mittels einer Obduktion Informationen über die Todesursache zu erlangen.

Drei Wochen, nachdem Mahmud ermordet worden sein soll, kam der 24-jährige Ather Karim Khalaf ums Leben. Der frisch verheiratete Mann wurde angeblich in seinem Auto an einer Straßenkontrolle erschossen. Er verstarb wenig später im Krankenhaus. Das britische Verteidigungsministerium bestätigte dies gegenüber dem "Guardian". Auch in diesem Fall hätte die Militärpolizei Untersuchungen angestellt, sogar empfohlen, den Soldaten wegen Mordes anzuklagen, aber der Militärstaatsanwalt habe das abgelehnt.

Doch diese beiden Tode unter britischer Obhut im Irak sind nicht die einzigen, die bisher offenbar folgenlos geblieben sind.

Nur kurze Zeit später wurde der 19-jährige Said Shabram, zusammen mit einem anderen Mann, von britischen Soldaten nahe der Stadt Basra von einem vier Meter hohen Anlegersteg in den "Schatt Al-Arab" (zu Deutsch: "Küste der Araber") geworfen. Während Shabram ertrank, konnte der Mitgefangene von Passanten am Ufer gerettet werden. Er erklärte: "Der Soldat schubste uns immer näher an die Kante. Er schien immer wütender zu werden, da wir nicht ins Wasser sprangen. Ich dachte, er wird so wütend, dass er uns erschießt", beschrieb der Überlebende die Situation. Dann hätten die Soldaten gelacht "und uns auf einmal in den Fluss gestoßen".

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums habe der zuständige Militärstaatsanwalt auch in diesem Fall eine Anklage der Soldaten abgelehnt.

Berichte über systematische Folterungen

Diese drei Taten sind offenbar keine Einzelfälle. Auf eine Anfrage des "Guardian" bei Philip McEvoy, dem stellvertretenden Direktor der im vergangenen Jahr gegründeten armeeinternen Strafbehörde (SPA), in wie vielen Fällen die britische Militärpolizei empfohlen habe, Soldaten wegen Mordes oder Todschlags zu bestrafen, antwortete der knapp: "Das weiß nur Gott."

Es gibt wohl weitaus mehr britische Soldaten, die von ihrem Einsatz im Irak grausame Geheimnisse mit nach Hause brachten.

Bereits im Jahr 2009 veröffentlichte der englische "Independent" einen Bericht über 33 Misshandlungsfälle, in denen britische Soldaten ähnliche Methoden angewandt haben sollen wie die US-Soldaten im berüchtigten Gefängnis Abu Ghuraib bei Bagdad und systematische Folter zugegeben hatten.

Und im vergangenen Juli legten Anwälte von 102 Irakern, die in britischer Haft gesessen hatten, dem britischen "High Court", der zum Obersten Gerichtshof gehört, Beweisunterlagen über Folter vor.

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