Irak-Krieg Frankreich informierte CIA über Falsch-Meldungen

Frankreichs Auslandsgeheimdienst hat die USA vor dem Irak-Krieg mehrfach vor falschen Informationen gewarnt: Es gebe keine Beweise dafür, dass Saddam Hussein versucht habe, in Niger Uran zu kaufen. Präsident Bush hatte dieses Argument dennoch für seinen Irak-Feldzug verwendet.


Es war im Jahr 2003. Damals hatte US-Präsident Geroge W. Bush in einer Rede zur Lage der Nation erklärt, warum der Feldzug gegen den Irak seiner Meinung nach unabwendbar sei. Eines der Argumente: Der Irak unter der Führung des Diktators Saddam Hussein versuche Atombomben zu bauen. Als Beweis für diese These führte er an, dass der Irak nach Geheimdienstinformationen in Niger Uran kaufen wolle.

Präsident Bush bei TV-Ansprache: Am Abend des 19. März 2003 informierte er die Nation über den Kriegsbeginn
AFP

Präsident Bush bei TV-Ansprache: Am Abend des 19. März 2003 informierte er die Nation über den Kriegsbeginn

Längst ist bekannt, dass das nicht stimmte. Doch nun gibt es nach einem Bericht der "Los Angeles Times" einen weiteren Beleg dafür, dass die Regierung Bush alles versucht hat, um Informationen, die offizielle Kriegsgründe widerlegten oder in Zweifel zogen, aus der Welt zu schaffen.

Schon 2001 und 2002 warnte der französische Auslandsgeheimdienst die USA vor Informationen über angbliche Urankäufe Bagdads in Niger. Die Franzosen hatten ihre Informationen bei ausgeprägten Recherchen vor Ort in Niger und anderen früheren französischen Kolonien gewonnen. Die Uran-Minen dort werden von französischen Unternehmen betrieben.

Die Franzosen hätten - so zitiert das Blatt Alain Chouet, einen früheren französischen Geheimdienstbeamten - auf Bitten der CIA in dieser Sache recherchiert. Die ursprüngliche Anfrage zu dem Thema kam im Jahr 2001 im Zusammenhang mit möglichen Terroranschlägen. Der amerikanische Geheimdienst habe damals wissen wollen, ob das Uran in Afrika vor Terroristen sicher sei. Ein Jahr später, Mitte 2002, habe die CIA erneut angefragt, diesmal konkret zu einem möglichen Niger-Irak-Deal. Chouet berichtete nun, er habe damals ein mehrköpfiges Team nach Niger geschickt, um entsprechende Hinweise zu suchen. Die Agenten fanden nichts.

Chouet und seine Leute fanden schließlich heraus, dass die Behauptungen, denen sie auf Bitten der USA nachgegangen waren, gefälschten Dokumenten entsprachen, die ihnen einige Zeit zuvor von einem italienischen Informaten zum Kauf angeboten worden waren. "Wir haben den Amerikanern damals gesagt, 'Das ist absolute Scheiße.' Das macht überhaupt keinen Sinn", zitiert die "Los Angeles Times" den Franzosen. "Wir hatten den Eindruck, verstanden worden zu sein."

Ein US-Beamter, der der Zeitung zufolge nicht genannt werden will, bestätigte Chouets Angaben. Dessen Bericht habe in "krassem Widerspruch zu unserem Verständnis der Sachlage gestanden". Demnach passten die Nachrichten aus Paris nicht ins amerikanische Konzept.

Ob die amerikanische Haltung zu den französischen Informationen damit zusammenhing, dass Paris gegen den Feldzug war und sich weigerte, Bushs Invasion zu unterstützen, ist unklar.

Jedoch war es nicht das erste Mal, dass ausländische Geheimdienste die USA vor fragwürdigen Informationen warnten. So hatte zum Beispiel der BND dem Blatt zufolge die USA vor Berichten ihres eigenen Informanten namens "Curveball" gewarnt. Dieser hatte angeblich Informationen über biolgische Waffen im Irak. Die US-Regierung habe dessen Informationen völlig überbewertet, heißt es.

Für Aufsehen sorgt in Amerika auch weiterhin die Affäre um die Agentin Valerie Plame. Ihre Identität war im Juli 2003 an die Medien verraten worden, nachdem ihr Ehemann Joseph Wilson sich in der Kontroverse um den Irak-Krieg gegen die US-Regierung gestellt hatte. Der frühere Botschafter war schon damals Bushs Irak-Niger-Argument entgegen getreten. Die darauf folgende Enttarnung seiner Frau wurde von vielen Beobachtern als Racheakt des Bush-Lagers an Wilson gedeutet, weil Plame damit nicht mehr länger als Undercover-Agentin arbeiten konnte.

Im Zusammenhang mit der Affäre wurde der frühere Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney, Lewis Libby, im Oktober von einem Sonderermittler wegen Falschaussage, Meineids und Behinderung der Justiz angeklagt. Gegen den Präsidentenberater Karl Rove ermittelt Sonderermittler Patrick Fitzgerald weiter. Die Enttarnung von Agenten steht in den USA unter Strafe.



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