Irak-Krieg Medien sollen Bush als Feldherrn feiern

Für den Fall eines Krieges gegen den Irak will die amerikanische Regierung offenbar ihre Strategie gegenüber den Medien ändern. Seit dem Vietnam-Krieg hielten die USA die Journalisten auf Abstand, nun sollen sie offenbar direkt vom Schlachtfeld berichten dürfen, um den Ruhm von Präsident Bush als Kriegsherrn zu mehren.


Beim Manöver in Kuweit durften Journalisten verschiedene Einheiten begleiten
REUTERS

Beim Manöver in Kuweit durften Journalisten verschiedene Einheiten begleiten

Hamburg - Der Golfkrieg 1991 sah für den Fernsehzuschauer eher aus wie ein veraltetes Videospiel als wie ein wahrhaftiger Krieg: Grünstichige Nachtaufnahmen, auf denen nichts zu erkennen war, sollten beweisen wie Raketen auf irakische Städte fielen. Damals war die Presse weit entfernt von allen Kampfhandlungen - das könnte sich beim nächsten Krieg ändern. Heute heißt es laut einem Bericht der "Financial Times" beim amerikanischen Militär, es werde eine dezentralisierte Kontrolle der Presse bevorzugt, die den Journalisten mehr Zugang zu den Schlachtfeldern erlaube.

"Wir haben sehr hart gearbeitet und stehen nun voll hinter der Überzeugung, die Presse umfassend zu informieren und mit einzubeziehen," sagte Bryan G. Whitman vom Verteidigungsministerium kürzlich bei einem Briefing von Korrespondenten in Washington. "Die Führung dieses Ministeriums will Ihnen versichern, dass Sie und Ihre Reporter Zugang zu unseren Truppen im Feld haben werden, falls es eine militärische Operation geben sollte."

Das Weiße Haus steht offenbar voll hinter dem Konzept. Die amerikanische Regierung ist laut dem Zeitungsbericht sehr daran interessiert, amerikanische TV-Sender direkt vom Schlachtfeld über den erhofften leichten Sieg berichten zu lassen, um so einen Popularitäts-Schub für Präsident Bush und sein Kabinett zu erreichen.

Mut, Einsatz und Opfer

Ende November hatte Bush einen seiner Top-PR-Spezialisten zum zentralen Militärkommando entsandt, wo er General Tommy Franks, Oberbefehlshaber in der Golfregion, unterstellt ist. Und obwohl einige Militärs noch immer die kritische Presse im Vietnamkrieg im Hinterkopf haben, unterstützen viele inzwischen eine größere Offenheit. Für Colonel Rick Thomas, Chef der US-Militär-Öffentlichkeitsarbeit in Kuweit, liegt der Vorteil auf der Hand: "Ich habe eine tiefe Verpflichtung, die Familienangehörigen zu informieren," sagte er der "Financial Times". "Ich denke, dass Mütter und Väter durch die Augen, Worte und Bilder von Journalisten den Mut, den Einsatz und die Opfer ihrer Söhne und Töchter verstehen werden."

Schon während des Kuweit-Manövers "Desert Spring" konnten Gruppen von Journalisten mit Kampfeinheiten an Übungen teilnehmen. So sollten sich die Reporter an das militärische Leben gewöhnen und die Soldaten an die Zivilisten an ihrer Seite. Inzwischen hat allerdings der Tod des französischen TV-Journalisten Patrick Bourrat, der voriges Wochenende durch einen Panzer ums Leben kam, allen Beteiligten die Risiken solcher Aktionen noch einmal bewusst gemacht.

Bilder wie dieses von Kindern, die vor einem Napalm-Angriff flüchten, ließen die Zahl der Gegner des Vietnamkriges steigen
AP

Bilder wie dieses von Kindern, die vor einem Napalm-Angriff flüchten, ließen die Zahl der Gegner des Vietnamkriges steigen

Inzwischen sind 60 Journalisten in fünf Tage dauernden Kursen in den USA in die Grundlagen eingeführt worden. Sie haben gelernt, sich vor chemischen und biologischen Waffen zu schützen oder erste Hilfe auf dem Schlachtfeld zu geben. Zwei weitere solcher Ausbildungen sind geplant.

Die neue Öffentlichkeitsarbeit soll die Mängel im Medienmanagement des Golfkrieges vor einem Jahrzehnt zu beseitigen. Damals wurden die Reporter in Gruppen zusammengefasst und erhielten häppchenweise Informationen aus dem Zentralkommando - was vielfach als gesteuerte Propaganda kritisiert wurde. Das Militär zeigt sich demonstrativ einsichtig und bedauert die Fehler von damals. "Von unserer Seite gibt es das Gefühl, dass wir "Desert Storm" nicht so dokumentiert haben, wie wir es hätten tun sollen," sagt Dan Hatlage vom US-Verteidigungsministerium der "Financial Times". "Wir haben keine Geschichten über individuellen Heldenmut."

Doch anders als im Vietnam-Krieg, wo jeder Journalist im Hintergrund überall dabei sein konnte, soll es im nächsten Krieg doch Grenzen geben. Militärsprecher machten deutlich, dass sie keine Fotos oder Filmaufnahmen von Leichen amerikanischer Soldaten dulden wollen. Zudem gibt es die Sorge, dass Enthüllungsgeschichten die Sicherheit militärischer Operationen gefährden könnten. Dennoch kündigte Thomas in dem Zeitungsbericht an, militärische Einheiten würden das Material sie begleitender Journalisten weder zensieren noch kontrollieren. Man setze darauf, dass Journalisten die zu einer Einheit dazugehören, dadurch angespornt werden, besonders vorsichtig mit ihrem Wissen umzugehen - und im Zweifelsfalle die Soldaten um Rat fragten.



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