Irak-Krieg Vertreter der Bush-Regierung räumen gravierende Fehler ein

Fünf Jahre dauert der Irak-Krieg inzwischen: Nun geben Vertreter der US-Regierung krasse Fehler zu. Amerika habe einen schrecklichen Preis bezahlt. Jedoch bedauern sie nicht den Feldzug selbst als falsch - er sei lediglich schlecht verlaufen.


Hamburg - Führende Vertreter der US-Neokonservativen haben gegenüber der "Zeit" krasse Fehler im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg eingeräumt. "Ich hätte nie geglaubt, dass wir das so böse verpatzen würden", sagte Richard Perle, früherer Direktor des Beratergremiums Defense Policy Board, der Wochenzeitung.

USA haben im Irak laut Neokonservativen "einen schrecklichen Preis bezahlt"
AFP

USA haben im Irak laut Neokonservativen "einen schrecklichen Preis bezahlt"

Perle gilt neben dem früheren Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz und dem hohen Pentagon-Beamten Douglas Feith als führender Vertreter der "Neocons", die als Berater von Präsident George W. Bush den Angriff auf den Irak 2003 maßgeblich unterstützt haben.

Auch Feith sieht den Krieg nach fünf Jahren Dauer kritisch. "Wir haben einen schrecklichen Preis bezahlt, aber nicht wegen des Krieges als solchen, sondern weil er so schlecht gelaufen ist", sagte er der Wochenzeitung. "Und heute glaubt weder Nordkorea noch Iran, dass unsere Diplomatie von glaubwürdigen Drohungen flankiert wird."

Wolfowitz hingegen wies die Verantwortung für den Krieg von sich: "Im Gegensatz zu dem, was Sie überall lesen, war ich nicht das Mastermind, der Drahtzieher." Perle, der heute wie Wolfowitz im konservativen American Enterprise Institute arbeitet, äußerte sich ähnlich. "Wir hatten keinen wirklichen Einfluss, obwohl ich mir den sehr gewünscht hätte. Ratschläge wurden gern ignoriert", sagte er. Die Entscheidungen habe der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld getroffen.

Wolfowitz äußerte sich außerdem selbstkritisch über die Lageeinschätzung im Irak vor dem Krieg: "Wir kannten den Feind nicht." Perle zählte ein weiteres Fiasko auf: "Wir wollten Befreier sein, sind aber nach fünf, sechs Monaten zur Besatzungsmacht und Zielscheibe geworden."

cht/AFP

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