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10. Juli 2003, 19:22 Uhr

Irak-Krieg

Warum Jessica Lynch in einen Hinterhalt geriet

Eine Reihe von Fehlern und Erschöpfung sollen während des Irak-Krieges zum Tod von elf US-Soldaten geführt haben und zur Gefangennahme ihrer Kameradin Jessica Lynch. Dies geht aus dem Abschlussbericht einer US-Heereskommission hervor.

Video während der Rettung Lynchs in Bagdad
AP

Video während der Rettung Lynchs in Bagdad

Washington - Das US-Militär kam zum Ergebnis, dass die erschöpfte Einheit mit ihrem Konvoi aus 18 Fahrzeugen wegen eines Irrtums des Vorgesetzen von der richtigen Route abkam. Dann habe es Probleme mit der Kommunikation untereinander gegeben. Denn die meisten Fahrzeuge verfügten über Funkgeräte, die nach der langen Reise von Kuweit aus längst leer waren. Beim Überfall der Iraker schließlich hätten sich viele US-Soldaten nicht wehren können, weil ihre Waffen auf Grund von Wüstensand und Hitze klemmten.

Von dieser Serie von Fehlern berichten US-Medien unter Berufung auf den Abschlussbericht einer mit der Untersuchung betrauten Heereskommission. Bei dem tödlichen Zwischenfall im März im Süden des Irak war ein US-Konvoi in einen irakischen Hinterhalt geraten. Neben Jessica Lynch, deren Schicksal weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, gerieten damals auch sechs andere US-Soldaten vorübergehend in Gefangenschaft.

Lynch selbst erlitt dem Bericht zufolge ihre Verletzungen nicht durch irakische Schüsse oder Messerstiche, sondern dadurch, dass ihr Fahrzeug nach einem Granatentreffer verunglückte. In ersten Berichten auch aus Militärkreisen hatte es geheißen, sie habe sich vor ihrer Gefangennahme heldenhaft gewehrt. Lynch war später von Kameraden aus einem irakischen Krankenhaus geborgen worden.

Zunächst war von einer spektakulären Befreiungsaktion die Rede gewesen. Später hieß es, das Krankenhaus, aus dem Lynch geholt wurde, sei von den Irakern bereits verlassen gewesen. Lynchs Geschichte soll offenbar in Hollywood verfilmt werden.

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