Irak-Kriegsgründe CIA hielt wichtige Informationen zurück

In die Untersuchung der Kriegsgründe für den Irak-Feldzug kommt neues Licht. Ein Senatsausschuss hat festgestellt, dass die CIA Informationen darüber hatte, dass der Irak keine Programme zur Herstellung von Massenvernichtungsmitteln verfolgte. Die Berichte gab sie jedoch nicht an Präsident Bush weiter.

Hamburg - Längst vor dem Irak-Krieg hatte die CIA von Angehörigen irakischer Wissenschaftler erfahren, dass Bagdad die Entwicklung nichtkonventioneller Waffen aufgegeben hatte. Der Geheimdienst habe diese Erkenntnis jedoch nicht an US-Präsident George W. Bush weitergeleitet, berichtet die "New York Times", nicht einmal dann, als Bush bereits öffentlich vor der Bedrohung warnte, die von Saddam Hussein ausgehe.

Der Senatsausschuss zur Untersuchung der Geheimdienste soll herausfinden, was die Regierung vor dem Krieg wirklich über den Irak wusste. Nun förderte er zu Tage, dass die CIA vor dem Krieg eine geheime Aktion laufen hatte, bei der Angehörige irakischer Wissenschaftler über die Waffenprogramme der irakischen Regierung befragt wurden. Geheimdienstbeamte versuchen mittlerweile, die Vorwürfe herunterzuspielen. Es sei nur eine Handvoll Verwandter besagter irakischer Wissenschaftler gewesen, die mitgeteilt hätten, dass das irakische Massenvernichtungswaffenprogramm gestoppt worden sei.

Doch die Vorwürfe reichen weiter. CIA-Mitarbeiter hätten die ihnen zugegangenen Informationen verfälscht weitergegeben. Sie hätten Berichte verfasst, in denen die Tatsachen verdreht worden seien, um die Annahme zu erhärten, dass der Irak Programme zur Herstellung von chemischen, biologischen und nuklearen Waffen betreibe. Der Senatsausschuss fand zum Beispiel heraus, dass ein irakischer Überläufer, der angeblich Nachweise über die Existenz biologischer Waffenprogramme lieferte, das genaue Gegenteil gesagt habe: dass er von solchen Programmen nichts wusste.

Der Ausschuss wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Arbeit der Geheimdienste. Es stellt sich die Frage, ob die CIA Anwalt bestimmter politischer Interessen war, statt objektiver Beobachter zu sein und Informationsmaterial zu sammeln und wertneutral zu sichten. Ende der Woche soll ein umfassender Bericht über den bisherigen Fortgang der Untersuchung veröffentlicht werden.

Es wird damit gerechnet, dass der CIA schwere Versäumnisse vorgeworfen werden. Die Verantwortlichen sollen nicht erkannt haben, dass die zusammengetragenen Informationen keineswegs die Einschätzung rechtfertigte, Saddam verfüge über verbotene Waffen. Auf der anderen Seite hat der Ausschuss laut "New York Times" bisher keine Beweise dafür gefunden, dass die CIA ihre Berichte unter dem politischen Druck seitens des Weißen Hauses verfälscht habe. CIA-Direktor George Tenet hatte Anfang Juni bereits seinen Rücktritt angekündigt. Offiziell ist er noch bis Mitte Juli im Amt.

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