Irak-Krise Blair verspricht Uno-Inspektoren mehr Zeit

Während Millionen Menschen weltweit gegen den drohenden Irak-Krieg demonstrieren, hat Tony Blair die britisch-amerikanische Position bestätigt: Saddam Hussein muss entwaffnet werden. Allerdings will er den Uno-Inspektoren mehr Zeit für ihre Arbeit geben.


Premier Blair: "Unpopularität als Preis für Führungsstärke und innere Überzeugung"
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Premier Blair: "Unpopularität als Preis für Führungsstärke und innere Überzeugung"

Glasgow/London - Er werde vor einem Krieg gegen den Irak notfalls nicht zurückschrecken, sagte Blair bei einem Labour-Parteitag in Glasgow vor Delegierten, die nicht alle seine Position teilten. "Ich suche keine Unpopularität als Ehrenzeichen, aber manchmal ist es der Preis für Führungsstärke und innere Überzeugung." Es sei furchtbar für ihn, britische Soldaten in den Krieg schicken und den Tod unschuldiger Zivilisten in Kauf nehmen zu müssen. Aber wenn dies der einzige Weg sei, Großbritannien vor Massenvernichtungswaffen zu schützen und den Irak von seinem Diktator zu befreien, dann werde er es tun.

Gleichzeitig versicherte Blair, er wolle die Krise weiter auf dem Weg über die Vereinten Nationen lösen. Allerdings dürfe man sich von Saddam Hussein nicht täuschen lassen. Seine Zugeständnisse seien "nur Schein", seine Massenvernichtungswaffen "echt". Wenn er nicht mit den Inspekteuren zusammenarbeite, könnten diese ihre Aufgabe nicht bewältigen, egal wie viel Zeit ihnen noch gegeben werde.

Aber: "Wenn 500.000 Menschen demonstrieren, dann sind das noch immer weniger als die Toten, für die Saddam verantwortlich ist. Wenn eine Million Menschen demonstrieren, dann sind das noch immer weniger, als in den von ihm angefangenen Kriegen gestorben sind."

Saddam nicht zu entwaffnen, wäre keine Alternative und würde andere Gewaltherrscher ermutigen, sagte Blair. Diktatoren und Terroristen könne man nicht beschwichtigen: "Al-Qaida hat die USA angegriffen, nicht umgekehrt. Die Terroristen werden nicht nett zu uns sein, wenn wir nett zu ihnen sind."

US-Außenminister Colin Powell hatte am Freitag nach der Sitzung des Rates gegenüber dem Fernsehsender "CNN" angedeutet, Hussein werde mehr Zeit bekommen, um die Forderungen der Vereinten Nationen zu erfüllen. Vor Journalisten verwies er auf den 1. März, an dem die Uno-Waffeninspektoren einer früheren Uno-Resolution gemäß erneut über den Stand ihrer Kontrollen berichten müssten. Erst danach müsse darüber entschieden werden, ob wie von der Vetomacht Frankreich gefordert, am 14. März eine weitere Beratung im Sicherheitsrat stattfinden solle, sagten Powell und die spanische Außenministerin Ana Palacio, deren Land die US-Position unterstützt. Vom militärischen Standpunkt aus ist Anfang März der günstigste Zeitpunkt für einen Krieg.

"Es gibt noch immer eine Chance für den Frieden", sagte Powell gegenüber "CNN". "Aber wir werden diesen Frieden nicht realisieren, wenn wir auch nur einen Moment in dem Druck nachlassen, wenn wir auch nur einmal den Eindruck erwecken, dass wir nicht den Willen haben, es - wenn nötig - auf einen Konflikt ankommen zu lassen, um Irak zu entwaffnen." In Reaktion auf den starken Widerstand im Sicherheitsrat warnte Powell die Welt, sich nicht austricksen zu lassen. "Wir können nicht darauf warten, dass diese schrecklichen Waffen in unseren Städten auftauchen", sagte er. Die USA werfen Irak vor, atomare, chemische und biologische Waffen zu entwickeln oder zu besitzen.



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