Irak-Krise Uno-Inspektionen dauern ein ganzes Jahr

Schlechte Nachrichten für die Falken im Pentagon, die einen schnellen Angriff auf den Irak befürworten. Ein abschließendes Urteil der Uno-Experten über die irakischen Waffensysteme wird offenbar erst Ende des Jahres vorliegen. Mit einem Angriffsbefehl vor Abschluss der Uno-Inspektionen würde US-Präsident Bush die gesamte Weltgemeinschaft verprellen.

London - Die Waffeninspekteure im Irak brauchen etwa ein Jahr für eine "zuverlässige" Untersuchung. Das sagte nach Angaben der BBC Mark Gwozdecky, Sprecher der der Internationalen Atom-Energiebehörde (IAEA). In vielen Fällen müssten Einrichtungen mehrfach durchsucht werden, um sicher zu stellen, dass sie nicht zur Herstellung illegaler Waffen missbraucht würden. Der Irak sei ein sehr großes Land und es gebe eine Vielzahl von Einrichtungen, die von den Waffeninspekteuren besucht werden müssten.

Es lohne sich zu warten, um einen Krieg zu verhindern, sagte Gwozdecky. Je länger die Inspektoren vor Ort seien, desto wahrscheinlicher sei es, dass sie etwas fänden. Der Uno-Sicherheitsrat habe den Inspektoren einstimmig die notwendige Zeit für die Kontrollen zugestanden.

Gwozdecky sagte dem Sender, IAEA-Chef Mohamed El Baradei und Uno-Waffeninspekteur Hans Blix hätten klar gesagt, dass die Kontrollen in Irak etwa ein Jahr dauern könnten. "Es ist eine viel bessere Möglichkeit, ein wenig länger zu warten als Krieg zu führen." Die Mitglieder des Uno-Sicherheitsrates würden die Arbeit der Inspektoren einstimmig unterstützen. "Sie sind bereit, uns die Zeit zu geben, die wir benötigen."

Gwozdecky äußerte sich dennoch zuversichtlich, dass die Experten vor Ort jedes verbotene Nuklearprogramm entdecken könnten. Angesichts der bisher guten Kooperation der Iraker sei dies möglich.

Etwa 150 US-Militärexperten wollen unterdessen vom heutigen Montag an Luftwaffenstützpunkte und Häfen in der Türkei für eine mögliche Nutzung im Konflikt mit dem Irak inspizieren. Der türkische Ministerpräsident Abdullah Gül hatte nach langem Zögern seine Zustimmung dazu gegeben. Die Inspektionen würden vermutlich zehn Tage dauern, hieß es.

In die Nutzung der Stützpunkte und Häfen hat die türkische Regierung nach offiziellen Angaben bislang nicht eingewilligt. Darüber soll das Parlament entscheiden. Nach Meinungsumfragen lehnen fast 90 Prozent der Türken einen Krieg gegen das Nachbarland Irak ab.

Die US-Militärstrategen möchten auch vom Norden aus eine Bodenoffensive gegen Bagdad starten können und dafür türkische Häfen und Flughäfen ausbauen. Besonders umstritten in der Türkei ist die geplante Stationierung amerikanischer Truppen im Land.

Die USA rüsteten am Wochenende am Golf weiter auf. Sie wollen ihr dortiges Truppenkontinent innerhalb der kommenden Wochen verdoppeln. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unterzeichnete den Marschbefehl für 62.000 weitere Soldaten. Auch der britische Flugzeugträger "Ark Royal" befindet sich auf dem Weg an den Golf.

Briten immer skeptischer

Rund 58 Prozent der britischen Bürger sind zurzeit nicht davon überzeugt, dass Diktator Saddam Hussein ausreichend gefährlich ist, um eine Militäraktion gegen den Irak zu rechtfertigen. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage des Instituts YouvGov unter 1425 Erwachsenen. Nur 34 Prozent sehen im Irak eine Bedrohung, die zugleich auch einen Kriegsgrund darstellt.

Viele Briten glauben außerdem, dass es den USA und Großbritannien in dem Konflikt nicht in erster Linie um die Entwaffnung des irakischen Regimes geht. Knapp jeder Dritte meint, die beiden Regierungen wollten in erster Linie die Ölproduktion in der Golfregion sichern und kontrollieren. Jeder Vierte war der Ansicht, Hauptziel sei vor allem der Sturz von Saddam Hussein. Nur 21 Prozent sagten, es gehe den Amerikanern und Briten um die Vernichtung irakischer Massenvernichtungswaffen.

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