Versagen bei Isis-Vormarsch Iraks Premier Maliki feuert Armeekommandeure

Der irakische Regierungschef zieht Konsequenzen aus dem Vormarsch der Terrorgruppe Isis. Nuri al-Maliki hat mehrere ranghohe Armeekommandeure entlassen. Ihre Truppen hatten den Dschihadisten kaum Widerstand geleistet.

Ministerpräsident Maliki: Regierungschef will Kommandeur vor Kriegsgericht stellen
AP/dpa

Ministerpräsident Maliki: Regierungschef will Kommandeur vor Kriegsgericht stellen


Bagdad - Bei ihrer Offensive im Nordirak sind die Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) kaum auf Widerstand des irakischen Militärs gestoßen. Soldaten waren in Scharen desertiert, die Dschihadisten konnten immer größere Teile des Landes erobern.

Das hat nun für einige Generäle Konsequenzen: Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat mehrere ranghohe Armeekommandeure entlassen. Unter anderem wurde Mahdi al-Gharrawi, der Befehlshaber in der Provinz Ninive, entlassen, in der die Großstadt Mossul liegt, die seit der vergangenen Woche von Isis kontrolliert wird. Mindestens ein Kommandeur soll nach amtlichen Angaben vor ein Kriegsgericht gestellt werden.

Am Dienstag wurden 18 irakische Sicherheitskräfte in Samarra, 110 Kilometer nördlich von Bagdad, tot aufgefunden. Die Leichen wiesen Einschusslöcher in Kopf und Brust auf, offenbar wurden sie exekutiert. In der Nähe von Bakuba wurde ein irakischer Kameramann des TV-Senders al-Ahad getötet, der über den Vormarsch von Isis berichtet hatte.

Trotzdem sieht die US-Regierung inzwischen erste Anzeichen für ein Erstarken der irakischen Streitkräfte, insbesondere durch die Massenrekrutierung schiitischer Freiwilliger. Der Widerstand um Bagdad sei verstärkt worden, sagte Pentagonsprecher John Kirby. "Es sieht stark so aus, als würden sie die Hauptstadt verteidigen."

1,2 Millionen Iraker sind auf der Flucht

Die US-Armee plant vorerst offenbar keine Luftangriffe gegen Isis. Die Dschihadisten seien sehr beweglich, Angriffsziele daher kaum auszumachen, sagten Militärbeamte in Washington.

Die Offensive der Terrorgruppe schürt die Angst vor einer Rückkehr des Bürgerkrieges zwischen den Sunniten und der Bevölkerungsmehrheit der Schiiten. Um dem entgegenzuwirken, riefen Vertreter beider Konfessionen auf einer Krisensitzung in Bagdad zur Geschlossenheit auf. Eine entsprechende Erklärung wurde am Abend im Fernsehen verlesen. An dem Treffen hatten neben Maliki, einem Schiit, auch sein Rivale, Parlamentspräsident Usama al-Nudschaifi teilgenommen.

Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen zwingen die Kämpfe immer mehr Menschen im Irak in die Flucht. Inzwischen sollen es schon 1,2 Millionen sein. Die Lage verschlechtere sich von Tag zu Tag.

syd/AFP/AP/dpa

insgesamt 21 Beiträge
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minando 18.06.2014
1. Besser wäre es gewesen...
...die Generäle feuerten Maliki, das hätte die Ursache der Misere eher behoben.
Christy Mack 18.06.2014
2. Der geteilte Irak.
Zitat von sysopAP/dpaDer irakische Regierungschef zieht Konsequenzen aus dem Vormarsch der Terrorgruppe Isis. Nuri al-Maliki hat mehrere ranghohe Armeekommandeure entlassen. Ihre Truppen hatten den Dschihadisten kaum Widerstand geleistet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-maliki-feuert-armeekommandeure-nach-isis-vormarsch-a-975829.html
Durch den radikalen Wechsel der russischen Außenpolitik des Fokus weg von Geschäften mit dem Iran hin zu sunnitischen Kämpfern, muss der Westen nun umschwenken. Waren vor der Urkaine-Krise Assad und iranische Geschäftsleute noch die Lieblinge der russischen Topfirmen, scheint man sich jetzt um Verträge mit sunnitischen Gruppen in der Region zu bemühen. Man sieht dies schon gut daran, dass in Beirut die russische Partymeile nicht mehr dominiert. Offenbar ist man auch von Hezbollah abgerückt. Sehr eindrucksvoll hat auch die ARD beschrieben, dass es den sunnitischen Gruppen nicht darum geht, ISIS zu unterstützen, sondern einen eigenen Staat zu gründen: http://www.tagesschau.de/ausland/kurden-irak-100.html Nicht zu vergessen ist natürlich auch, dass die Kurden, wie ich bereits hier darauf hingewiesen hatte: http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=15936005#post15936005 nun alles daran setzen werden, einen eigenen Staat, aber nicht als Bundesstaat, sondern als unabhängig souveränes Land etablieren wollen. Sollten die Kurden und die Sunniten Erfolg mit ihren Unabhängigkeitsbestrebungen haben, dann ist ein Ende der Assad-Regierung absehbar und auch der Iran dürfte mit einem verkleinerten shiitischen Irak, als letztem arabischen Verbündeten, kaum zufrieden sein können. Nun ist natürlich die Frage, ob der Westen, allen voran die USA, sich wirklich im Gegenzug auf den Iran und Hezbollah einlassen möchte, wenn der Iran nach einer Teilung des Iraks weitgehend isoliert dastünde. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass dies vor allem in Hinblick auf Israel große Verwerfungen in der Region nach sich ziehen würde. In jedem Fall bleibt es weiter spanned im Nahen Osten!
atzigen 18.06.2014
3. Neue Dimension
Das ganze hat eine neue Dimension. Die Partisanentaktische Kriegführung war in der Vergangenheit in der Regel die deffensieve Kampfführung. Da zeigt sich ein neues ,,Gesicht,,. offensieve Partisanentaktische Kampfführung. Da steht eine klassisch strukturierte schwerfällige Armee auf recht verlorenem Posten. Da hilft auch schweres Gerät nur bedingt weiter. Da hilft denn wohl nur eine Infanteriearmee deren Einheiten möglichst autonom operieren jeweils angepasst auf die entsprechenden örtlichen Gegebenheiten und Erfordernisse. Doch über diese Strukturen verfügt die aktuelle Irakische Armee offenbar nicht. Die grossen Städte lassen sich wohl halten in der Fläche wird das eine langwierige Angelegenheit mit vielen Unbekannten.
albrecht_rößler 18.06.2014
4. Partisanentaktik?
Ich glaube kaum, daß eine klassische Panzerarmee im offenen Gelände den "Partisanen" mit ihren Pickups unterlegen wäre. Aber was nutzt die Beste Ausrüstung, wenn die Mannschaften weglaufen?!
AhzekAhriman 18.06.2014
5. Blut ist halt dicker als Wasser
Die sunnitischen Soldaten haben anscheinend keinen Bock auf ihre terroristischen Glaubensbrüder zu schießen und überlassen diesen Verbrechern ganze Regionen, damit diese dort morden und plündern bzw. den "wahren Glauben" verbreiten können. Blut ist halt dicker als Wasser. Insgesamt erschreckend was dort abgeht. Wird Zeit das wir (die BRD/ Europa) uns von den Unterstützerstaaten/ Golfstaaten distanzieren und denen den Geldhahn abdrehen.
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