Irak Maliki wirft Kurden Bündnis mit "Islamischer Staat" vor

Kurden und die Terrorgruppe "Islamischer Staat" arbeiten im Irak angeblich zusammen. Das behauptet Ministerpräsident Nuri al-Maliki und kündigt einen "schicksalhaften Kampf" an. Unterdessen bitten Christen die EU um Hilfe.

Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki: Kurden verbünden sich mit der Terrorgruppe IS
REUTERS

Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki: Kurden verbünden sich mit der Terrorgruppe IS


Bagdad - Im Irak sollen sich Kurden mit der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) verbündet haben. Das sagte Ministerpräsident Nuri al-Maliki in einer Fernsehansprache. Zugleich beschuldigte er sie, die Einheit des Landes zerstören zu wollen. Mit Blick auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden erklärte Al-Maliki, die Regierung in Bagdad werde einen "schicksalhaften Kampf" führen, um die Einheit des Landes zu wahren.

Die Kurden im Nordirak bereiten ein Referendum über die Unabhängigkeit ihrer Autonomiegebiete vor. Der Präsident der Autonomiegebiete, Massud Barsani, hatte mehrfach gesagt, der Zerfall des Landes sei nicht mehr zu stoppen. Dafür machte er Al-Maliki und dessen von Schiiten dominierte Regierung verantwortlich. Doch auch unter den Schiiten bröckelt Malikis Rückhalt: Prominente Vertreter hatten den Rücktritt des Premiers gefordert.

Kurdische Peschmerga-Soldaten hatten den Vormarsch der Terrorgruppe "Islamischer Staat" dazu genutzt, die Vielvölkerstadt Kirkuk unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie gehört nicht zu den kurdischen Autonomiegebieten, wird aber von den Kurden beansprucht. Kirkuk ist wegen seiner Ölvorkommen strategisch wichtig.

Christen appellieren an "moralische Pflicht" der EU

Die Vertreter der christlichen Minderheit im Irak haben die EU um Hilfe gebeten. Der chaldäische Patriarch Louis Sako, die höchste christliche Autorität im Irak, und weitere Christen-Vertreter trafen in Brüssel den EU-Ratspräsidenten Herman van Rompuy sowie weitere EU-Politiker. Er sei "extrem beunruhigt" über das Schicksal der Christen, die aus den von radikalsunnitischen Rebellen besetzten Gebieten fliehen, sagte Sako vor Journalisten. Er appellierte: "Die Europäer haben eine moralische Pflicht gegenüber dem Irak."

Der Erzbischof von Mossul, Johanna Petros Mutsche, sagte, alle Christen hätten die einst multireligiöse Stadt im Norden des Irak verlassen. Die chaldäische und die syrisch-orthodoxe Kirche der Stadt seien von Kämpfern der IS besetzt. Die Dschihadisten hatten ihre Offensive vor vier Wochen begonnen und seitdem fast die ganze Provinz Ninive samt Mossul sowie Teile von vier weiteren Provinzen erobert. Für das von ihnen kontrollierte Gebiet rief IS einen islamischen Gottesstaat aus.

"Wir sind eine sehr verletzliche Minderheit, weil wir weder Armee noch Milizen haben", sagte Sako. Die Zahl der Christen im Irak ist nach einem Jahrzehnt des Krieges und religiöser Konflikte eingebrochen. Vor dem US-Einmarsch im Jahr 2003 lebte etwa eine Million Christen im Irak, heute sollen es weniger als 400.000 sein. Die meisten sind unter dem Verfolgungsdruck muslimischer Extremisten ins Ausland geflohen.

isa/dpa/AFP

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jones4773 10.07.2014
1. Pure verzweifelung...
...aus Malikis Mund. Die Kurden sind die einzige moderate Bevölkerungsgruppe in dieser Region. Maliki versucht mit allen Mitteln , das Volk für sich zu gewinnen und einen Sündenbock für seine fehlgeschlagene Politik zu finden. Der einzige Grund, warum die isis die Kurden nicht angreift ist 1.)weil sie sich keinen zwei-fronten-Krieg leisten kann und 2.)weil die peshmerga-Soldaten der Kurden im Vergleich zur irakischen Armee viel stärker sind.
captainpetrov 10.07.2014
2. Kurden
Über die Kurden hört man noch am wenigsten schlechtes. Ich würde ihnen nach meinem Kenntnisstand einen eigenen Staat wünschen. Die sind ja schon immer unterdrückt worden als Minderheit. Es wäre eine Ironie der Geschichte, wenn diese einen unabhängigen Staat Gründen der schließlich das örtliche demokratische Vorbild wird.. statt dem Irak
abraxas63 10.07.2014
3.
Zitat von captainpetrovÜber die Kurden hört man noch am wenigsten schlechtes. Ich würde ihnen nach meinem Kenntnisstand einen eigenen Staat wünschen. Die sind ja schon immer unterdrückt worden als Minderheit. Es wäre eine Ironie der Geschichte, wenn diese einen unabhängigen Staat Gründen der schließlich das örtliche demokratische Vorbild wird.. statt dem Irak
Unter den Kurden des Iraks gibt es seit jeher die zwei rivalisierenden Parteien (Clans) PUK und KDP, die lange Zeit immer wieder gegeneinander gekämpft haben, auch im Bündnis mit Saddam Husssein, auch beim Giftgasangriff auf Halabdscha. Seit dem zweiten Golfkrieg verhalten sie sich zwar bemerkenswert ruhig, aber ob diese Ruhe die Ausrufung eines unabhängigen Staates überdauern wird, ist fraglich. Wer sich jetzt von der Spaltung des Iraks eine Lösung erhofft, sitzt einer Chimäre auf. Der Kampf um die Ölfelder, ob im Umfeld um Kirkuk oder Mossul, wird einen langjährigen Krieg auslösen. Dazu würde diese Entwicklung den Weg des "Islamischen Staates" als eigenständigen Staat auf dem dann ehemaligen Territorrium Syriens und des Iraks mehr als befördern. Das würde ich auch nicht den Sunniten des Iraks wünschen können. Die (nahöstliche) Welt ist aus den Fugen. Niemand kann sagen was kommt, außer dass es nicht sehr schön werden wird.
franklin1157 10.07.2014
4. Dumm gelaufen
Ist schon ärgerlich, wenn sich solche Marionetten wie Maliki ihre eigenen Fäden abschneiden... und dann das Selberlaufen anfangen. Wie oft haben die Amis so was eigentlich schon gemacht, ohne dass etwas Gutes dabei herausgekommen ist? Manche werden aber auch aus Schaden nicht klug.
Faceoff 10.07.2014
5. Unzulänglichkeiten
Gestern die C-Waffen, die aber lt. Experten gar keine mehr sind (http://blog.zeit.de/radikale-ansichten/2014/07/09/nein-das-terror-kalifat-hat-keinen-zugriff-auf-chemiewaffen/). Heute nukleares Material, welches gem. Experten der Internationalen Atomaufsichtsbehörde ein recht überschaubares Gefahrenpotential darstellt (http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEKBN0FF0RA20140710). Die Quelle beider Berichte ist ein und dieselbe: Der irakische UNO-Botschafter Alhakim. Morgen kommt dann vermutlich noch ein Bericht von ihm bzgl. erbeuteter biologischer Kampfstoffe, dann wäre die ABC-Story komplett. Gleichzeitig beschuldigt sein Chef, Ministerpräsident Maliki, die Kurden eines Bündnisses mit der ISIS. All diese Meldungen mit tw. irreführenden oder gar gänzlich falschen Angaben wirken wie eine gut einstudierte konzertierte Aktion. Es scheint so, als ob die Regierung Maliki derzeit hart an der Propaganda-Front kämpft, um von ihren eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken und ihre Hilfsbedürftigkeit zu unterstreichen. Dazu sollen ihre Gegner gefährlicher dargestellt werden, als sie ohnehin schon sind (insbes. die ISIS).
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