Irak Mehr als ein Dutzend Tote bei Anschlag in Bagdad

Schwerer Bombenanschlag in der irakischen Hauptstadt: Mehr als ein Dutzend Menschen starben bei einer Explosion auf einem Marktplatz. In der irakischen Bevölkerung wächst die Sorge um die Sicherheitslage - trotz der Verhaftung mehrerer Qaida-Kommandeure.


Bagdad - Bei einer Explosion auf einem Marktplatz in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Donnerstag mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen, als ein Selbstmordattentäter seinen Sprengsatz zündete. 35 weitere Menschen wurden durch den Anschlag in dem vorwiegend von Schiiten bewohnten Viertel Schaab verletzt.

"Ich bin überzeugt, dass viele der Gefangenen, die von den US-Truppen kürzlich freigelassen wurden, hinter diesen Explosionen stecken," sagte Abbas al-Bajati, Mitglied des Sicherheitsausschusses des Parlaments. Auch seien die Straßenkontrollen der irakischen Sicherheitskräfte nicht immer gründlich genug.

Die Tatsache, dass Terroristen trotz der jüngsten Festnahmen zahlreicher al-Qaida-Kommandeure in den nördlichen Provinzen Tamim, Dijala, Salahuddin und Ninive immer noch in der Lage sind, verheerende Anschläge zu verüben, lässt viele Iraker mit Sorge auf den angekündigten US-Truppenabzug blicken.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass den Sicherheitsbehörden zwei mutmaßliche Top-Terroristen aus Saudi-Arabien in die Hände gefallen sind, die für al-Qaida im Irak Kämpfer und Attentäter rekrutiert haben sollen. Die saudische Nachrichtenagentur SPA meldete, Fahd al-Ruaili habe sich den Behörden in seiner Heimat gestellt. Am Mittwochabend traf er in Saudi-Arabien ein. Sein Name stand auf einer Liste der 85 gefährlichsten Terroristen Saudi-Arabiens, die im Februar international zur Fahndung ausgeschrieben worden waren. Ruaili soll sechs Jahre lang Freiwillige rekrutiert haben, vor allem unter seinen Landsleuten. Er pendelte zwischen Syrien und dem Irak.

Irakische Medien meldeten derweil, die irakische Armee habe am Donnerstag in der Stadt Bakuba nordöstlich von Bagdad einen Saudi namens Mohammed Abdullah Hassan al-Schammari festgenommen. Dieser soll ebenfalls Kämpfer für die Qaida rekrutiert haben. Er habe vergeblich versucht, nach Saudi-Arabien zu entkommen. Schammari sei vier Jahre lang der Kommandeur der Qaida-Zellen im südlichen Teil der Ortschaft Balad Rus nördlich von Bagdad gewesen.

Unter den ausländischen Qaida-Terroristen im Irak sind Männer aus Saudi-Arabien, wo eine puritanische Interpretation des sunnitischen Islam Staatsreligion ist, überproportional vertreten. Der irakische nationale Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai sagte dem TV-Sender al-Irakija, in irakischen Gefängnissen seien derzeit 164 Saudis inhaftiert. Beobachter glauben, dass die Qaida-Terrorzellen im Irak sich momentan in einer Phase der Neuordnung befinden. Neben dem gewachsenen Fahndungsdruck hätten in jüngster Vergangenheit auch Animositäten zwischen irakischen und ausländischen Terroristen die Schlagkraft der Qaida beeinträchtigt.

In der nördlichen Stadt Mossul starb am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak eine Studentin, als sich die Polizei ein Gefecht mit Extremisten lieferte, die eine Autobombe plazieren wollten. Ein Verdächtiger wurde verletzt.

beb/dpa



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