Hartes Vorgehen der Regierung Neun Tote bei Protesten im Irak

Mehrere Menschen sind in Bagdad getötet worden, als die Regierung Brücken zurückerobert hat, die von Demonstranten besetzt worden waren. Die Sicherheitskräfte lösten ein auch ein Zeltlager mit Waffengewalt auf.

Auch nahe des Tahrir-Platzes in Bagdad kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten
DPA/Ameer Al Mohammedaw

Auch nahe des Tahrir-Platzes in Bagdad kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten


Bei neuen Zusammenstößen mit Sicherheitskräften sind im Irak mindestens neun Menschen getötet worden. Sechs Protestteilnehmer sollen in der Hauptstadt Bagdad, drei weitere Demonstranten im südlichen Basra getötet worden sein. Seit Wochen protestieren Menschen im Land gegen Korruption und für politische Reformen.

Sicherheitskräfte gehen mit Gewalt und Tränengas gegen Demonstranten vor

Drei Demonstranten seien beim zentralen Protestlager auf dem Tahrir-Platz durch Schüsse getötet, ein weiterer von einer Tränengas-Granate im Gesicht getroffen worden, sagten Sicherheitskräfte und Mediziner. Ein Arzt berichtete, er habe Schüsse mit scharfer Munition gehört, als sich die Einsatzkräfte näherten.

Wenige Stunden zuvor hatten Sicherheitskräfte unter massivem Einsatz von Tränengas die Kontrolle über die Tigris-Brücken Al-Sinek, Al-Schuhada und Al-Ahrar zurückerobert, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die drei Brücken verbanden die Protestlager am östlichen Tigrisufer mit dem westlichen Flussufer, wo Regierungsstellen und ausländische Botschaften ihren Sitz haben.

Die Al-Sinek-Brücke war bisher die wichtigste Verbindung der Demonstranten zur Botschaft des Iran. Teile der Protestbewegung werfen dem Nachbarland vor, die Regierung in Bagdad zu stützen. Die Brücken Al-Ahrar und Al-Schuhada führen zum Büro des Ministerpräsidenten und der Zentrale des Staatsfernsehens.

Verhandlungen im Parlament über Reformen sollen bevorstehen

Auch im Süden des Landes gingen Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Demonstranten vor. In Basra lösten Sicherheitskräfte ein Protestlager auf. Nach Angaben von Ärzten sollen bei dem Einsatz drei Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden sein.

Der durch die Proteste unter Druck geratene Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi hatte zuvor eine Regierungsumbildung angekündigt, Staatsoberhaupt Barham Saleh Neuwahlen in Aussicht gestellt.

Seit Beginn der Proteste am 1. Oktober wurden bereits fast 300 Menschen getötet. Die Regierung hat zuletzt keine Zahlen mehr zu den Todesopfern veröffentlicht.

flg/AFP

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