Irak nach dem Krieg Saddams Nachfolger wartet im Urlaubshotel

Die USA wollen ihre Pläne für ein Nachkriegsregierung im Irak schon in den nächsten Tagen vorlegen. Ex-General Jay Garner soll offenbar die erste - rein amerikanische - Übergangsverwaltung leiten.


Als Regierungschef gehandelt: Ex-General Garner
AP

Als Regierungschef gehandelt: Ex-General Garner

Dubai - Die Pläne zum Aufbau einer Zivilverwaltung würden wahrscheinlich in der südirakischen Hafenstadt Umm Kasr bekannt gegeben werden, verlautete aus US-Regierungskreisen. Berichte, wonach die US-Regierung eine Nachkriegsverwaltung mit 23 Ministerien plane, seien übertrieben. In einigen Berichten hatte es geheißen, jedes Ministerium solle von einem US-Vertreter geführt werden, dem jeweils vier irakische Berater zur Seite gestellt werden sollen.

Der mutmaßliche Regierungschef in spe ist US-General a. D. Jay Garner. Er leitete die humanitäre Unterstützung der irakischen Kurden nach dem ersten Golfkrieg 1991. Derzeit residiert er im Hilton Beach Hotel in Kuweit und konzentriert sich nach Angaben seines Sprechers Nathan Jones darauf, die humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau der Infrastruktur anzukurbeln. "Es gibt drei Säulen: Hilfe für die Bevölkerung, Wiederaufbau des Landes und dann die Bildung eine zivilen Verwaltung und einer Regierung", sagte Jones. Die dritte Aufgabe werde zur Zeit noch in Washington wahrgenommen.

Die inner- und außerirakische Opposition warnt indes, die Bevölkerung werde einer vom US-Militär geführten Regierung die Gefolgschaft verweigern. "Nach dem, was wir bislang hören, wollen die USA eine Militärregierung mit irakischen Beratern", sagt Ghassan al Attiya, der im Londoner Exil lebt. "Ich hoffe, die Amerikaner merken noch, dass sie damit die Iraker nicht auf ihre Seite kriegen."

Präsidentenberaterin Condolezza Rice hatte am Freitag in Washington gesagt, eine Übergangsregierung könne ihre Arbeit in Irak bereits aufnehmen, bevor der Krieg beendet sei. Zugleich betonte sie, die Regierung werde den Irakern nicht aufgezwungen. Ziel sei es, "dem irakischen Volk sobald wie möglich seine Souveränität zurückzugeben". Den Vereinten Nationen werde aber keine zentrale Rolle bei der Nachkriegsordnung zugedacht: "Es ist nur natürlich zu erwarten, dass die Koalition, die Leben und Blut für die Befreiung Iraks gegeben hat, die zentrale Rolle übernimmt", so Rice.

Der Wiederaufbau des Irak soll auch Thema der Gespräche zwischen US-Präsident George W. Bush und dem britischen Premierminister Tony Blair sein, die für kommende Woche in Nordirland angesetzt sind. Im Unterschied zur US-Regierung hat sich Blair in jüngster Zeit allerdings deutlich für eine starke Rolle der Uno im Nachkriegs-Irak stark gemacht.

Vor allem Frankreich, Deutschland und Russland hatten sich im UNO-Sicherheitsrat vor Kriegsbeginn gegen eine von den USA angestrebte Irak-Resolution stark gemacht, die den Krieg legitimieren sollte. Die Außenminister der drei Länder forderten am Freitag bei einem Treffen in Paris übereinstimmend eine zentrale Rolle für die UNO beim Wiederaufbau des Irak. "In der Phase des Kampfes und der Sicherung liegt die Hauptverantwortung selbstverständlich bei den Koalitionstruppen", sagte Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin. "Jenseits dessen müssen die Vereinten Nationen eine zentrale Rolle bei der Lösung der Irak-Krise spielen."



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