Irak Plant Saddam den Guerilla-Krieg?

Die Zahl der Angriffe auf US-Soldaten im Irak nimmt spürbar zu. Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass sich der Widerstand gegen die Besatzer im Untergrund organisiert. Einem Zeitungsbericht zufolge bereitet der frühere Präsident Saddam Hussein eine Art irakische Intifada vor, die am 27. Juli los brechen soll.

Bagdad - Beim Angriff auf eine Polizeistation im Nordwesten Bagdads sind am Dienstag nach Angaben des arabischen Fernsehsender "al-Dschasira" zwei US-Militärpolizisten getötet und drei weitere verletzt worden. Zuvor waren bei Kämpfen zwischen US-Soldaten und bewaffneten Irakern in der irakischen Stadt Falludscha ein Soldat und zwei Iraker getötet worden.

Wie das US-Zentralkommando im Irak berichtete, griffen die Iraker eine Einheit der US-Armee mit Panzerfäusten und Gewehren an. Sie erschossen einen Amerikaner und verletzten sieben weitere Soldaten. Anschließend hätten die Soldaten zwei Angreifer getötet und sechs Verdächtige festgenommen, teilte die US-Armee mit.

Die Angreifer sollen aus einer Moschee heraus das Feuer eröffnet haben. In Falludscha hatte es bereits mehrfach Konfrontationen zwischen den Einwohnern und den amerikanischen Besatzungssoldaten gegeben. Ehemalige Offiziere der von den Amerikanern inzwischen aufgelösten verschiedenen irakischen Armee-Einheiten hatten der US-Armee in den vergangenen Tagen mehrfach mit bewaffnetem Widerstand gedroht, falls sie keinen Sold mehr bekommen sollten.

Diese Meldungen des Tages aus dem Irak passen zu einem Bericht des "Asia Times", der mit dem Titel "Die Saddam Intifada" überschrieben ist. Demnach leben Saddam Hussein und zahlreiche seiner Getreuen weiterhin im Irak. Sie sollen derzeit einen Guerilla-Krieg gegen die Besatzungsmächte vorbereiten, der Ende Juli beginnen solle. Die Zeitung beruft sich auf einen Report des amerikanischen Geheimdienstes CIA. Das alte Regime mache nun wahr, was der frühere stellvertretende Premierminister Tarik Asis und Ex-Informationsminister Mohamed Said al-Sahhaf vor Ausbruch des Krieges angekündigt hatten: einen Partisanenkrieg gegen die USA nach dem Vorbild des Vietkong in Vietnam. Für dieses Vorhaben könne Saddam noch immer auf eine Armee von 40.000 Mann zurückgreifen, schreibt das Blatt.

Angriff am Jahrestag

Für den Beginn der Aktion habe sich die alte Führungsriege den Jahrestag der Machtübernahme durch die Baath-Partei ausgesucht, schreibt die Zeitung unter Berufung auf die beiden arabischen Magazine "al-Bayan" und "al-Watan al-Arabi". Auch Saddam Hussein kam am 27. Juli 1979 ins Amt.

Ein weiterer Grund für den angeblichen Beginn in zwei Monaten sei, dass Saddam die Frist abwarten will, die die Schiiten den Amerikanern gesetzt haben. Mehrere schiitische Geistliche und Anführer hatten erklärt, sie wollten die Besatzer einige Monate beim Wiederaufbau des Irak beobachten und dann ihre eigenen Schlüsse ziehen. Bereits jetzt ist abzusehen, dass die Schiiten ihre Geduld mit der von ihnen so empfundenen Arroganz und Gleichgültigkeit der Amerikaner verlieren.

So kritisierte der Hohe Rat für die islamische Revolution im Irak (SCIRI), die wichtigste schiitische Partei des Landes, am Dienstag den Befehl der US-Verwaltung zur Entwaffnung seiner Miliz. Die Anordnung sei ungerecht, sagte SCIRI-Sprecher Abdelasis al-Hakim. Schließlich hätten die Badr-Brigaden jahrelang gegen das Regime von Saddam Hussein gekämpft. 2500 ihrer Kämpfer seien als Märtyrer gestorben.

Die US-Zivilverwaltung im Irak hatte vor einigen Tagen die Entwaffnung aller Zivilisten und Milizen angeordnet, mit Ausnahme der kurdischen Kämpfer (Peschmerga). Wer nach dem 15. Juni noch eine Waffe besitze, werde festgenommen, falls er von der US-Verwaltung dafür keinen Waffenschein beantragt habe.

Saddam weiter im Irak?

Belegte Informationen darüber, dass Saddam Hussein während des Krieges getötet wurde, gibt es bis heute nicht. Die "Asia Times Online" will nun seit Ende April über Informationen verfügen, wonach der Ex-Diktator lebt, sich nicht aus dem Irak herausbewegt hat und sich entweder in der Region um seine alte Hochburg Tikrit oder in Taramija aufhält. Zu den Anführern der Guerilla-Gruppe sollen Saddams Söhne Udei und Kussei gehören, außerdem der als "Chemie-Ali" bekannte Ali Hassan al-Madschid, zudem der langjährige Saddam-Vertraute Taha Jassin Ramadan und der frühere Verteidigungsminister Sultan Hashim Ahmad.

Dem Bericht zufolge habe Saddam vermutlich alles Nötige für einen Partisanenkrieg beisammen. Es gebe Waffen, Munition, Nahrungsmittel, die in mehreren Städten und ländlichen Gebieten versteckt seien. Saddams Untergrundkämpfer hätten sich unerkannt unter die irakische Bevölkerung gemischt. Sie verhielten sich - wie terroristische Schläfer - völlig unauffällig und warteten auf Befehle.

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