Irak-Politik Bolton wirft Bush Fehler vor

Der frühere amerikanische Uno-Botschafter John Bolton hat die Irak-Politik von George W. Bush scharf kritisiert. Nach dem Sturz von Saddam Hussein habe der Präsident die Macht zu langsam an die Iraker übertragen.

Paris/Washington - "Wir haben ihnen einen schlechten Dienst erwiesen, weil wir ihnen politische Führungskräfte genommen haben", sagte Bolton in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Monde". Nach dem Sturz Saddams im Jahre 2003 sei die Macht zu langsam an die Iraker übertragen worden. Außerdem habe die US-Übergangsverwaltung zugelassen, dass sich Terroristen zusammenschließen.

Die US-Regierung habe zudem kein strategisches Interesse an einem geeinten Irak. Es sei nicht entscheidend, ob es "einen Irak oder drei Iraks" gebe. Das strategische Interesse richte sich darauf, dass kein vollständiges Chaos und kein terroristischer Staat entstehe.

Bolton war im Dezember von seinem Posten als Uno-Botschafter der USA zurückgetreten. Angesichts der Niederlage der Republikaner bei der Kongresswahl vom November war damit gerechnet worden, dass er abtreten müsse. Eine Bestätigung des umstrittenen Hardliners im Senat galt als unwahrscheinlich. Die Demokraten hatten den Neokonservativen als "undiplomatischsten Diplomaten der USA" stets abgelehnt.

Hillary Clinton fordert Lösung des Irak-Problems bis 2009

Die amerikanische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton forderte Bush unterdessen auf, bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 den Konflikt im Irak zu lösen. Es wäre "der Höhepunkt an Unverantwortlichkeit", wenn Bush den Irak-Krieg seinem Nachfolger im Weißen Haus weitergeben würde, sagte Clinton bei ihrem ersten Wahlkampfauftritt in Davenport, Iowa.

"Es war seine Entscheidung, mit einem schlecht entwickelten Plan und einer unfähig ausgeführten Strategie in den Krieg zu ziehen", sagte Clinton. "Wir erwarten von ihm, dass er unser Land davon befreit, bevor er das Amt verlässt."

Das Weiße Haus kritisierte die Äußerungen der Senatorin von New York als eine vom Parteienkampf bestimmte Stellungnahme, die den Einsatz der US-Streitkräfte untergrabe.

Clinton gilt als aussichtsreiche Bewerberin für die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei. Iowa gehört zu den Staaten mit einer besonders frühen Vorwahl. In diesen "Primaries" werden die Delegierten der einzelnen Bewerber für eine Parteiversammlung bestimmt, die den Präsidentschaftskandidaten für die Wahl im November 2008 wählt.

Ein weiterer möglicher Kandidat der Demokraten, Joseph Biden, sagte, der Widerstand gegen die Truppenaufstockung im Senat werde in dieser Woche mit Beginn der Debatte darüber sichtbar werden. Er wette, dass nicht einmal 20 Prozent der Senatoren Bushs Entscheidung für richtig hielten. Der republikanische Senator Mitch Connell bezweifelte dagegen, dass der Senat eine nicht bindende Resolution gegen die Truppenaufstockung verabschieden werde. Derzeit gebe es so viele Vorschläge, dass wahrscheinlich nicht einer von ihnen eine Mehrheit erhalten werde, sagte Connell.

als/AP

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