Irak-Politik Gespräch zwischen Bush und Maliki verschoben

Die Krise im Irak verschärft sich weiter. Aus Protest gegen ein Treffen von Ministerpräsident Nuri el-Maliki mit US-Präsident George W. Bush hat die Bewegung des radikalen Schiitenführers Muktada al-Sadr die Regierung verlassen. Ein ursprünglich für den Abend geplantes Gespräch zwischen den beiden Regierungschefs wurde verschoben.


Bagdad/New York - Das geplante Treffen zwischen Maliki und Bush in Amman sei eine "Provokation", teilte die Bewegung von Sadr mit. Die schiitische Gruppe war mit fünf Ministern in der Regierung vertreten und stellt 30 Abgeordnete im Parlament. Bereits am Freitag hatte Sadr mit dem Austritt aus der Regierung gedroht, wenn Maliki das Treffen mit Bush nicht absage.

Das ursprünglich für den Abend geplante Treffen von Bush, Maliki und Jordaniens König Abdullah II. wurde kurzfristig abgesagt. Grund sei Zeitmangel, sagte ein hoher Beamter des jordanischen Königshauses der Nachrichtenagentur AFP. Das Gespräch des US-Präsidenten mit Abdallah II. habe stattgefunden, teilte der Beamte mit. Maliki habe nur kurz dazustoßen sollen, hieß es weiter. Bush wird mit Maliki nun wie geplant am Donnerstagmorgen zu einem Arbeitsfrühstück zusammentreffen.

Die "New York Times" berichtet unterdessen, das Weiße Haus sei mit der Arbeit Malikis unzufrieden. In einem vom Nationalen Sicherheitsberater Stephen Hadley geschriebenen Memo würden Zweifel an der Befähigung des irakischen Ministerpräsidenten geäußert, die Gewalt in den Griff zu bekommen.

Bushs Sicherheitsberater Hadley schrieb in dem von der "NYT" zitierten Memo, die hauptsächliche Unterstützung Malikis durch die Sadr-Bewegung müsse Anlass für eine Analyse der Machtverhältnisse im Parlament in Bagdad sein. In dem auf den 8. November datierten fünfseitigen Papier empfiehlt Hadley zudem, Saudi-Arabien einzubinden, um Gewalttaten der Sunniten im Irak zu stoppen. Außerdem müsse Maliki sein Versprechen umsetzen, die irakische Armee zu vergrößern.

Bush Sprecher Tony Snow sagte, Hauptziel des Memos sei es, "Maliki zu unterstützen und seine Fähigkeiten zu verbessern". Die USA stünden weiter zu der "noch jungen Regierung" im Irak. Laut "NYT" hatte Hadley das Memo nach einem Treffen mit Maliki am 30. Oktober angefertigt.

Der designierte neue US-Verteidigungsminister Robert Gates sprach sich nach übereinstimmenden Berichten von "NYT" und "Washington Post" für eine internationale Irak-Konferenz unter Einbindung Irans und Syriens aus.

Ein Sprecher des Regierung Saudi-Arabiens bekräftigte in einem Artikel für die "Washington Post", dass das Königreich im Falle eines Rückzugs der USA aus dem Irak zum Schutz der Sunniten in dem Land eingreifen würde. Nach Angaben des Sicherheitsberaters der Regierung, Nawaf Obaid, gehe es dabei vor allem um "finanzielle, materielle und logistische" Hilfe für die Sunniten.

als/AFP



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