Türkische Panzer im Grenzgebiet Irak warnt Ankara vor Einmischung

Die Türkei verlegt Panzer ins Grenzgebiet zum Irak. Eine Unterstützung Ankaras im Kampf gegen den IS lehnt der irakische Premier ab - sollten sich türkische Truppen einmischen, würden sie "als Feinde" behandelt.
Haider al-Abadi auf einer Videoleinwand

Haider al-Abadi auf einer Videoleinwand

Foto: Regis Duvignau/ AP

Iraks Premierminister Haidar al-Abadi fürchtet angesichts der Verlegung einer türkischen Panzerkolonne an die irakische Grenze einen "rücksichtslosen Schritt" der Türkei.

Jede Einmischung der Türkei bleibe weiter verboten, sagte Abadi am Dienstag mit Blick auf die Großoffensive gegen die IS-Hochburg Mossul im Nordirak. Sollte das türkische Militär sich einmischen, würden die Truppen "als Feinde" behandelt.

Die Türkei hatte zuvor damit begonnen, Panzer in die südosttürkische Stadt Silopi zu verlegen. Die Stadt liegt rund 30 Kilometer von der türkisch-irakischen Grenze entfernt.

Verteidigungsminister Fikri Isik bezeichnete den Schritt laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu als Vorsichtsmaßnahme: Im eigenen Land kämpfe die Türkei gegen den Terror, zugleich gebe es "wichtige Entwicklungen" auf der irakischen Seite der Grenze.

Die Beteiligung der Türkei an der Bodenoffensive gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ist ein Streitpunkt zwischen den Ländern. Mehrfach hat die irakische Führung zuletzt entsprechende Angebote der Türkei zurückgewiesen.

Ankara fürchtet schiitische Mehrheit

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beharrt hingegen auf einer Beteiligung der Armee seines Landes an der Rückeroberung Mossuls vom IS.

Die Regierung in Ankara befürchtet, dass die Stadt mit ihrer mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung nach einer Befreiung vom IS schiitisch werden könnte (mehr Hintergründe darüber, was die Türkei in Mossul will, lesen Sie hier).

Zehntausende irakische Soldaten und kurdische Peschmerga rücken zurzeit auf Mossul vor. Am Dienstag meldete die irakische Armee, sie habe die Stadtgrenze zur IS-Hochburg passiert. Unterstützt werden die Bodentruppen von Luftangriffen der multinationalen Militärkoalition unter Führung der USA.

Im Video: Irakische Armee dringt in IS-Hochburg Mossul ein

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Die Offensive zur Rückeroberung Mossuls vom IS läuft seit dem 17. Oktober. In der Millionenstadt werden mehrere Tausend IS-Kämpfer vermutet. Die Terrormiliz hatte Mossul im Sommer 2014 erobert.

Menschenrechtsorganisation fordert Fluchtkorridor

Unter den etwa 1,5 Millionen Zivilisten sollen laut Save the Children rund 600.000 Kinder sein. Die Menschenrechtsorganisation forderte, das Vorrücken irakischer Soldaten dazu zu nutzen, einen Fluchtkorridor für die Zivilbevölkerung zu öffnen.

"Wir können nicht warten, bis sich die Situation von Aleppo wiederholt, während wir noch die Möglichkeit haben, die Kinder aus der Kampfzone zu holen", erklärte Maurizio Crivellaro, Irak-Direktor von Save The Children, mit Verweis auf die syrische Großstadt Aleppo. In deren Ostteil sind rund 250.000 Menschen seit Juli von jeder Versorgung abgeschnitten.

Uno zieht Großteil der Mitarbeiter aus Aleppo ab

Aleppo ist die am heftigsten umkämpfte Stadt im syrischen Bürgerkrieg. Die frühere Metropole im Norden des Landes ist geteilt. Der Osten wird von Rebellen kontrolliert, aber von Regierungstruppen belagert. Den Westen halten die Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad.

Die Vereinten Nationen haben aus Sicherheitsgründen einen Großteil der Mitarbeiter aus ihrem Büro in West-Aleppo abgezogen. Am Sonntag war das Gebäude, in dem sich die Uno-Büros befinden, von einer Panzergranate getroffen worden. Verletzt wurde bei dem Angriff nach offiziellen Angaben niemand.

Die Reduzierung der Mitarbeiter sei nur vorübergehend und würde noch einmal überdacht, wenn sich die Sicherheitslage verbessere, sagte David Swanson von der Uno-Nothilfeorganisation Ocha.

sun/dpa/AFP
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