Irak Qaida rühmt sich der Entführung von US-Soldaten

Iraks Qaida hat nach eigenen Angaben mehrere US-Soldaten in ihre Gewalt gebracht. Mehr als 4000 Armeeangehörige suchen nach den Verschleppten. Im Norden des Landes wurden bei einem Anschlag mehr als 50 Menschen getötet.


Bagdad/Erbil - Gestern war bei Mahmudija eine siebenköpfige US-Patrouille überfallen worden, sechs US-Soldaten und ihr irakischer Übersetzer. Vier Männer wurden getötet, drei vermutlich von den Angreifern verschleppt. Die Stadt, rund 30 Kilometer südlich von Bagdad, gilt als eine Hochburg von Aufständischen im Irak, sie liegt im sogenannten "Todesdreieck".

US-Patrouille bei Falludscha: In ständiger Gefahr
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US-Patrouille bei Falludscha: In ständiger Gefahr

Heute reklamierte die irakische Qaida-Filiale den Überfall und die Verschleppung für sich. In dem Bekennerschreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es: "Am Samstag, den 12. Mai 2007, gelang es euren Brüdern des 'Islamischen Staates Irak', eine Patrouille der Kreuzfahrer in ein Gefecht zu verwickeln, was zum Tod und zur Verschleppung einer Anzahl von ihnen führte." "Details" würden bald nachgeliefert.

Jetzt sucht die US-Armee mit rund 4000 Soldaten nach den verschleppten Kameraden. Die US-Armee habe Straßensperren errichtet, um zu verhindern, dass die Geiseln aus dem Gebiet gebracht würden, sagte ein Sprecher der US-Streitkräfte. Bei dem Einsatz hätten die Soldaten 43 Menschen festgenommen, sagte der Bürgermeister von Mahmudija, Moad el Ameri. Ein weiterer Großeinsatz finde in Hassua statt, südlich von Mahmudija. Auch dort habe es Festnahmen gegeben, sagte Ameri unter Berufung auf den dortigen Polizeichef. Nach Angaben irakischer Sicherheitskräfte wurde am Samstag ein mutmaßlicher Terrorist in Mahmudija erschossen. Es gab zunächst keine Angaben darüber, ob der Vorfall mit dem Angriff auf die US-Truppen im Zusammenhang stand.

Obwohl US-Soldaten im Irak beinahe täglich Opfer von Angriffen werden, sind Entführungen relativ selten. Im Januar waren vier US-Soldaten in der Provinz Kerbela von Aufständischen entführt und getötet worden.

Bombenanschlag mit präpariertem Jeep

Auch aus dem Norden Iraks kamen verheerende Nachrichten: Bei einem Selbstmordanschlag im kurdischen Teil des Landes starben heute mindestens 32 Menschen, teilte der Gesundheitsminister der Kurdenregion, Sirian Abdel Rachman, mit. Später erklärte der Gouverneur, die Zahl der Toten sei auf mehr als 50 gestiegen.

Der Anschlag, bei dem 115 Menschen verletzt wurden, richtete sich nach Polizeiangaben gegen eine Gebäudegruppe, zu der die örtliche Zentrale der Demokratischen Partei Kurdistans, das Rathaus und eine Polizeiwache gehörten. Unter den Verletzten befinde sich auch der Bürgermeister von Machmur. Verübt wurde das Attentat nach Angaben eines Augenzeugen von einem Mann in irakischer Armeeuniform, der einen mit Sprengstoff präparierten Geländewagen gefahren habe.

Bei einem weiteren Anschlag im Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad kamen mindestens vier Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. Der Anschlag richtete sich nach Angaben von Sicherheitskräften gegen den Markt von Sadrija. Dort sei am Nachmittag (Ortszeit) ein geparktes Auto in die Luft gesprengt worden. Auf dem Markt waren zuletzt Mitte April 140 Menschen bei einem Anschlag getötet worden. Bei einem Überfall auf ein Dorf nördlich von Mahmudija töteten Bewaffnete zudem sieben Zivilisten.

Eine Sprecherin von US-Vizepräsident Dick Cheney bestätigte heute, dass die Vereinigten Staaten zu Gesprächen mit Iran über die Lage im Irak bereit seien. Diese könnten auf Botschafterebene stattfinden. Zuvor hatte auch das iranische Außenministerium seine Bereitschaft zu Gesprächen erklärt. Die USA werfen Iran vor, schiitische Aufständische im Irak zu unterstützen.

yas/jul/AFP/AP/dpa



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