Südirak Raketenangriff auf Wohnquartier ausländischer Ölarbeiter

In einer Büro- und Wohnanlage in der Nähe großer Ölfelder im schiitisch dominierten Südirak ist eine Rakete eingeschlagen. ExxonMobil zieht ausländisches Personal aus Basra ab.

Ein irakischer Panzer schützt die Einfahrt des Ölfelds West Kurna 1, das von ExxonMobil betrieben wird
REUTERS/Essam Al-Sudani

Ein irakischer Panzer schützt die Einfahrt des Ölfelds West Kurna 1, das von ExxonMobil betrieben wird


Es ist eine Attacke, die offenbar der ausländischen Ölindustrie im Irak galt: Nahe der südirakischen Stadt Basra ist ein Büro- und Wohnquartierkomplex für Ölarbeiter mehrerer ausländischer Firmen mit einer Rakete beschossen worden. Ersten Angaben zufolge gab es zwei Verletzte.

Laut lokaler Polizei schlug das Geschoss auf dem Gelände etwa hundert Meter entfernt von Gebäuden ein, die vom US-amerikanischen Unternehmen ExxonMobil genutzt werden. Auch die niederländische Firma Shell und der italienische Ölkonzern Eni nutzen die ummauerte Anlage.

ExxonMobil teilte mit, man werde rund 20 ausländische Mitarbeiter unverzüglich aus Basra abziehen. Bereits Mitte Mai hatte die Firma mehrere Dutzend Ölingenieure als Vorsichtsmaßnahme aus der südirakischen Stadt ausgeflogen. Zu den Gründen nannte ExxonMobil keine Details, der Irak kritisierte den Schritt als unbegründet.

Ölarbeiter in West Kurna 1 in der Nähe von Basra
REUTERS/Essam al-Sudani

Ölarbeiter in West Kurna 1 in der Nähe von Basra

Der Evakuierung im Mai war allerdings die Entscheidung der US-Botschaft in Bagdad vorausgegangen, alle Mitarbeiter bis auf eine Notbesetzung außer Landes zu bringen. Als Grund wurden damals die stark gestiegene Spannungen zwischen Washington und Iran genannt.

Im Irak gibt es zahlreiche angehörige der schiitischen Glaubensrichtung des Islam. Gerade der Süden ist eine Hochburg der mit Iran verbundenen Schiiten, die auch über bewaffnete Milizen verfügen. Diese werden stark von Iran beeinflusst.

Angriffe auf Ölanlagen in der Region häuften sich zuletzt: Mitte Juni wurden zwei Tanker im Golf von Oman durch Explosionen stark beschädigt. Einen Monat zuvor kam es zu einer mutmaßlichen Sabotageakten gegen vier Schiffe vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate.

Die USA und Saudi-Arabien machten in beiden Fällen Iran verantwortlich. Zum Fall der Tankerattacken im Golf von Oman veröffentlichten die USA ein Video, das die Schuld iranischer Revolutionsgarden beweisen soll. Am Dienstag gaben die USA bekannt, ihre militärische Präsenz in der Region auszubauen.

cht/Reuters

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