Irak Regierungschef Maliki schon amtsmüde

Die massive Kritik an der anhaltenden Gewalt im Irak hat Ministerpräsident Nuri al-Maliki schon amtsmüde gemacht. Eine zweite Amtszeit strebe er nicht an, ließ der Regierungschef wissen.


Bagdad/Washington - Auf die Frage in einem Interview mit der US-Zeitung "Wall Street Journal", ob er sich eine zweite Amtszeit vorstellen könne, sagte Maliki: "Unmöglich." Er wünschte sich sogar, er könne aufhören, bevor seine Amtszeit offiziell beendet sei, sagte der Ministerpräsident, der seit sieben Monaten im Amt ist.

Maliki: Der Ministerpräsident will keine zweite Amtszeit
REUTERS

Maliki: Der Ministerpräsident will keine zweite Amtszeit

Er könne sich vielmehr vorstellen, "von außen" seinem Volk zu dienen, vielleicht als Parlamentarier oder im direkten Kontakt mit den Menschen. Maliki bekräftigte, er habe die Position des Ministerpräsidenten nicht gewollt. "Ich habe nur zugestimmt, weil ich dachte, dem nationalen Interesse dienen zu können", sagte der Regierungschef, der wegen der andauernden Gewalt in seinem Land immer mehr in die Kritik gerät.

Das irakische Parlament hatte im Mai vergangenen Jahres in Bagdad die Regierung der nationalen Einheit aus Schiiten, Sunniten und Kurden von Maliki für eine vierjährige Amtsperiode eingesetzt. Mit ihr wurden vergeblich Hoffnungen auf ein Ende der Gewalt zwischen den ethnischen und religiösen Gruppen im Irak verbunden.

Das Interview stammt den Angaben zufolge vom 24. Dezember, also rund eine Woche vor der Hinrichtung des Ex-Machthabers Saddam Hussein. Die Vollstreckung des Todesurteils schürte die Spannungen zwischen Sunniten und der unter Saddam unterdrückten Bevölkerungsmehrheit der Schiiten weiter. Ein irakisches Gericht hatte Saddam wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod verurteilt.

Maliki kritisierte auch das Vorgehen der von den USA geführten internationalen Streitkräfte im Irak und der nationalen Armee im Kampf gegen Aufständische. Beide reagierten zu langsam, sagte er. Dies gebe den Extremisten immer wieder die Gelegenheit, zuzuschlagen und unterzutauchen. Daher benötigten die irakischen Kommandeure mehr Kompetenzen. In der anhaltenden Gewalt sieht er allerdings keinen Bürgerkrieg. "Was im Irak geschieht, ist ein Krieg von Banden und von Terroristen. Daher müssen wir mit Stärke und Schnelligkeit reagieren."

als/AFP/Reuters



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