Besuch im Irak Von der Leyen sieht auch Deutschland von IS bedroht

Bis zu hundert deutsche Soldaten sollen im Irak Kurden für den Kampf gegen die Terrormiliz IS ausbilden. Am Sonntag traf die Verteidigungsministerin zu Gesprächen im Land ein.

Ursula von der Leyen (CDU) in Bagdad (10. Januar 2015): "Je länger der IS stark bleibt, desto mehr steigt die Bedrohung für uns zu Hause"
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Ursula von der Leyen (CDU) in Bagdad (10. Januar 2015): "Je länger der IS stark bleibt, desto mehr steigt die Bedrohung für uns zu Hause"


Bagdad - Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat nach dem Anschlag auf die Zeitung "Charlie Hebdo" davor gewarnt, im Kampf gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak nachzulassen. "Je länger der IS stark und attraktiv bleibt, desto mehr steigt die Bedrohung für uns zu Hause", sagte die CDU-Politiker auf ihrer Reise in den Irak: "Es geht darum, den Mythos der Unbesiegbarkeit des IS zu brechen."

Von der Leyen war am Sonntagvormittag zu politischen Gesprächen in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingetroffen - wegen Schneefalls in Jordanien zwei Stunden später als geplant. In Bagdad will sie unter anderen Präsident Fuad Massum treffen.

Die Attentäter von Paris hatten sich auf die islamistische Ideologie der Extremistenorganisationen al-Qaida und IS berufen. Einer von ihnen soll eine militärische Ausbildung bei al-Qaida absolviert haben. Schätzungen von Sicherheitsexperten zufolge sind in den vergangenen Jahren rund 3400 Islamisten aus Europa - darunter 550 aus Deutschland - aufgebrochen, um in Syrien und dem Irak in den Reihen der Dschihadisten zu kämpfen. Der IS beherrscht weite Teile Syriens und nach einem rasanten Vormarsch im Sommer auch etwa ein Drittel des Irak.

Militärausbilder nach Arbil

Bei Zusammenstößen nördlich von Bagdad waren am Sonntag mindestens 17 Menschen umgekommen. IS-Extremisten hätten zunächst den Ort Bakuba mit Granaten beschossen, sagte ein irakischer Sicherheitsbeamter. Nach der Explosion zweier Sprengfallen habe es Gefechte mit dem IS gegeben. Bakuba gilt als einer der am härtesten umkämpften Orte nahe Bagdad, seit kurdische Peschmerga-Einheiten den IS in anderen Teilen des Nordiraks zurückgedrängt hatten.

Die Bundeswehr hat bereits Waffen im Wert von 70 Millionen Euro an die kurdische Armee im Nordirak für den Kampf gegen den IS geliefert. Wie SPIEGEL ONLINE am Samstag berichtete, bereitet Berlin weitere Waffenlieferungen an die Peschmerga vor. Die Kurdenführung hatte die Bundesregierung offiziell um weitere Hilfe gebeten.

Konkret wünschten sich die Kurden mehr Sturmgewehre sowie Munition für die bereits gelieferten deutschen Waffen. Im Verteidigungsministerium werde bereits geprüft, welche und wie viele Waffen man den Kurden zur Verfügung stellen könnte und was die Bundeswehr verfügbar auf Lager hat.

In den nächsten Wochen sollen zudem bis zu hundert Militärausbilder in die Kurden-Hauptstadt Arbil entsandt werden. Sie sollen die Peschmerga schon bald in einem Camp bei Arbil ausbilden. Die Kurden wünschen sich vor allem Know-how beim Suchen und Entschärfen von Minen und Sprengfallen, berichtet SPIEGEL ONLINE.

Ob der IS etwas mit den Attentaten von Paris zu tun hat, ist unklar. Die Terrororganisation hatte nach den Anschlägen jedenfalls mit weiteren Angriffen in Europa und den USA gedroht. "Wir haben mit der Operation in Frankreich begonnen, für die wir die Verantwortung übernehmen", hatte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari nach Angaben von Anwesenden in einer Moschee der nordirakischen Stadt Mossul beim Freitagsgebet gesagt. "Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein."

Einen Zusammenhang der Anschläge mit dem IS behauptete auch Amedy Coulibaly, einer der am Freitag getöteten Terrorverdächtigen. Saïd Kouachi, der zusammen mit seinem Bruder für den Anschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" verantwortlich gemacht wird, soll Medienberichten zufolge 2011 im Jemen in einem Terrorcamp von al-Quaida ausgebildet worden sein.

nik/afp/reuters/dpa

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goner80 11.01.2015
1. Ich nicht
Ich sehe weder mich noch Deutschland als Ganzes vom IS bedroht. Aber das sei dahin gestellt. Was ist die Konsequenz aus vdLs Erkenntnis? Noch mehr Waffen an Leute schicken, die sie an den Feind verhökern oder endlich den Dialog suchen und Verhandlungen mit dem IS beginnen? Darum wird der Westen nicht herumkommen. Krieg löst keine Konflikte.
sanook 11.01.2015
2. @goner80
Über was wollen sie denn mit IS verhandeln? So ein zwei Grundideen wären da begrüßenswert, damit der geneigte Leser eine ungefähre Vorstellung von dem bekommt, was ihnen vorschwebt?
sachsuli 11.01.2015
3. Woher kommt eigentlich das Geld?
Reisen, Waffen, Munition und Kommunikationsmittel kosten bekanntermaßen Geld. Zudem so erfuhr man letztlich in der ARD zahlt "IS" den Kämpfern einen ordentlichen Sold und lockt mit weiteren "Geschenken". Im Zuge anderweitiger Berichterstattung über den "IS" erfuhr man, das dieser "Staat" Einnahmen aus Erdölverkäufen erziele. Man sollte sich Gedanken machen, an wen dieses Öl geliefert wird und wer es im Gegenzug bezahlt. Offiziell zumindest bekennt sich kein Staat dazu, dass er diesen "Staat" unterstützt. Weder die Golfstaaten, noch Saudis wollen mit "IS" zu tun haben. Die Türkei obgleich sie offensichtlich als Transitland für Kämpfer und Nachschub dient, verneint ebenso eine Duldung oder gar Unterstützung des "IS". Ja, wer macht diesem "Staat" sein Treiben möglich? Ohne entsprechende finanzielle Förderung würde das "Pflänzchen" Terror nicht so prächtig gedeihen können. Nicht mit militärischen Mitteln kommt man diesem Sumpf bei, sondern mit Entzug der finanziellen Lebensgrundlage. Die zweite Frage, welche zu klären wäre, wer ist eigentlich Nutznießer der Unruhe im nahen und mittleren Osten?
werwirddennwohl 11.01.2015
4. ...
Die nächste die auf den Bedrohungszug aufspringt. Das Ziel: Persönlichkeitsrechte weiter einzuschränken. Es ist schon bezeichnend wie unverfroren mittlerweile solch eine Meinung öffentlich dargestellt wird. Schlimmer sind nur noch die Dumpfbacken von der "von mir aus, denn ich habe nichts zu verbergen"-Fraktion. Denen die Begriffe Freiheit und Demokratie zu erklären ist vertane Zeit, anscheinend auch bei vdL.
radioactiveman80 11.01.2015
5. @werwirddennwohl
ZITAT: "Die nächste die auf den Bedrohungszug aufspringt. Das Ziel: Persönlichkeitsrechte weiter einzuschränken. Es ist schon bezeichnend wie unverfroren mittlerweile solch eine Meinung öffentlich dargestellt wird." Okay, das ist wohl gemäß gängiger Meinung besorgter Bürger das erklärte Ziel aller Staaten heutzutage. Sie investieren also Milliarden in die Geheimdienste und müllen ihre Server freiwillig mit harmlosen privaten E-mails zu. Dabei stelle ich mir nur eine Frage, die von der "Die wollen uns alle fertigmachen"-Fraktion mir bislang noch keiner beantworten kann: ....warum....?
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