Irak Saddam-Anwalt rechnet mit Hinrichtung am Samstag

Die Hinweise auf eine baldige Hinrichtung von Saddam Hussein verdichten sich: Nach ersten entsprechenden US-Berichten rechnet jetzt auch ein Anwalt des irakischen Ex-Diktators mit einer raschen Vollstreckung des Todesurteils. Vieles deute auf den morgigen Samstag als Exekutionstermin.


Bagdad - Wann wird Saddam Hussein gehängt? Das ist die Frage, über die in Bagdad sowie im gesamten Irak derzeit am meisten spekuliert wird. Einen offiziellen Termin gibt es nicht, um so mehr kursieren die Gerüchte. Und vieles spricht mittlerweile dafür, dass das Todesurteil für den irakischen Ex-Diktator schon sehr bald vollzogen werden könnte.

Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein: Spekulationen über den Exekutionstermin
AFP

Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein: Spekulationen über den Exekutionstermin

Die US-Amerikaner haben Saddams Anwälte bereits aufgefordert, dessen persönliche Gegenstände in Empfang zu nehmen. "All diese Anzeichen sprechen dafür, dass er möglicherweise morgen hingerichtet wird", sagte Najib Naimi, früherer Justizminister Katars, unter Berufung auf Saddams Anwalt Khalil al-Dulaimi dem arabischen TV-Sender al-Dschasira.

Schon seit Tagen wird über den Termin der Exekution spekuliert. US-Berichten zufolge stellt sich die Regierung in Washington auf eine Exekution am Wochenende ein. "Ich habe gehört, dass es wahrscheinlich nur noch zwei weitere Tage sein werden", sagte ein hochrangiger Mitarbeiter von US-Präsident George W. Bush am Donnerstag. Ein irakisches Regierungsmitglied hatte allerdings erklärt, mehrere Feiertage könnten die Exekution verzögern. Sie fallen mit dem Pilgerzug nach Mekka zusammen und dauern von Freitag bis zum 7. Januar. Im Irak sind Hinrichtungen an religiösen Feiertagen verboten.

Nach den widersprüchlichen Berichten über den Exekutionstermin hatte sich heute auch Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki zu Wort gemeldet. Es werde keine Verzögerung geben, sagte Maliki. Das irakische Berufungsgericht hatte am Dienstag verfügt, dass Saddam Hussein binnen 30 Tagen gehenkt werden müsse. Wer sich der Hinrichtung widersetze, beleidige die Ehre seiner Opfer, sagte Maliki. Der Respekt vor den Menschenrechten gebiete es, die Todesstrafe zu vollstrecken. "Nichts und niemand kann die Gerichtsentscheidung außer Kraft setzen."

Aus Malikis Büro hieß es weiter, eine Hinrichtung in den kommenden Tagen sei unwahrscheinlich: Während des viertägigen Opferfestes, das von den Sunniten ab Samstag und von den Schiiten ab Sonntag gefeiert wird, würden dem Brauch zufolge keine Hinrichtungen vollstreckt.

Am Vormittag befand sich der frühere irakische Machthaber noch in amerikanischem Gewahrsam, wie der stellvertretende Justizminister Boscho Ibrahim und Saddam Husseins Anwalt Dulaimi übereinstimmend erklärten. Saddam wird auf dem US-Stützpunkt Camp Cropper nahe des Flughafens Bagdad festgehalten. Vor seiner Hinrichtung muss er an die irakischen Behörden überstellt werden.

Widersprüchliche Angaben gab es auch über einen Besuch von Verwandten bei Saddam Hussein. Einer seiner Verteidiger, Badi Issat Aref, sagte unter Berufung auf einen anderen Saddam-Anwalt, die Halbbrüder des Inhaftierten hätten ihn gestern besucht. "Saddam hat seinen Brüdern seine persönlichen Sachen ausgehändigt." Während das Treffen im irakischen Verteidigungsministerium bestätigt wurde, kam vom Sondertribunal, das das Todesurteil verhängt hatte, ein Dementi.

Saddams Hauptverteidiger Dulaimi sagte, US-Vertreter hätten ihn angerufen und darum gebeten, dass er jemanden damit beauftrage, die persönlichen Dinge seines Mandanten entgegenzunehmen. Das habe er bislang aber nicht getan. Doch zeige der Anruf, dass die Amerikaner Saddam Hussein bald den irakischen Behörden überstellen wollten.

Nach internationaler Kritik an dem Verfahren gegen den gestürzten Machthaber erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses gestern, nach Einschätzung der US-Regierung habe der Prozess weder das Völkerrecht noch das irakische Gesetz verletzt. Das Urteil gründe sich auf Fakten, sagte der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Tom Casey.

Wegen eines Massakers an Schiiten in den achtziger Jahren war Saddam am 5. November zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Ein Berufungsgericht hatte das Urteil am Dienstag bestätigt.

hen/AP/AFP



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