Irak Saddams Mitangeklagte hingerichtet

Alle Appelle waren vergebens: Im Morgengrauen sind im Irak Saddam Husseins Halbbruder Barsan al-Tikriti und der frühere Richter Awad al-Bandar gehängt worden. Das Weiße Haus begrüßte die Exekutionen.

Bagdad - Gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN sagte ein Anwalt der beiden Verurteilten, Saddams Halbbruder Barsan al-Tikriti und der frühere Richter Awad al-Bandar seien hingerichtet worden. Auch ein ranghohes Mitglied der irakischen Regierung bestätigte die Hinrichtung. Die Exekution habe vor Tagesanbruch stattgefunden, berichteten die arabischen Nachrichtensender al-Dschasira, CNN und der britische Rundfunksender BBC.

Die beiden waren gemeinsam mit Saddam Hussein wegen eines Massakers an Schiiten in den achtziger Jahren zum Tode verurteilt worden. Saddam war am 30. Dezember exekutiert worden.

Staatsanwalt Munkith al-Farun sagte, die Regierung habe die Staatsanwaltschaft am frühen Montagmorgen um die Entsendung eines Vertreters gebeten. Er habe einen Richter geschickt, um die Hinrichtung zu bezeugen. Diese sei vollzogen worden. Nach Angaben eines irakischen Generals fand sie in dem Gebäude in Bagdad statt, in dem auch Saddam Hussein gehängt worden war. Ein erster Bericht über die Vollstreckung der Todesurteile gegen die beiden Mitangeklagten war dementiert worden.

Barsan al-Tikriti stand als Berater lange an der Seite von Saddam Hussein. Vor 1984 führte der Halbbruder des damaligen Diktators die irakischen Geheimdienste und repräsentierte sein Land zwölf Jahre lang bei den Vereinten Nationen in Genf, bevor er 1999 in seine Heimat zurückkehrte.

Die USA begrüßten die Exekution. Die irakische Regierung lasse "Gerechtigkeit" gegen die wegen "brutaler Verbrechen gegen die Menschlichkeit" Verurteilten walten, erklärte das Weiße Haus.

In der vergangenen Woche hatte Staatspräsident Dschalal Talabani die Regierung in Bagdad aufgefordert, die Hinrichtung zu verschieben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte an die Regierung appelliert, auf die Vollstreckung der Todesstrafen ganz zu verzichten.

Die Begleitumstände der Hinrichtung Saddam Husseins waren international scharf kritisiert worden. Gestern erklärte US-Präsident George W. Bush, er habe Auszüge aus dem im Internet verbreiteten Video der Hinrichtung gesehen, in dem der ehemalige Machthaber von einigen Irakern verhöhnt wird. Die Hinrichtung hätte viel besser abgewickelt werden können, kritisierte er im Fernsehsender CBS. Er habe persönlich keine besondere Befriedigung über die Vollstreckung der Todesstrafe verspürt. "Ich bin kein rachsüchtiger Mensch", sagte Bush.

hen/AP/Reuters/dpa/AFP

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