Irak Sarkawis Bombenbauer gefasst

Im Kampf gegen die Aufständischen ist der irakischen Regierung ein Erfolg gelungen: Wenige Tage vor der Wahl konnte Ministerpräsident Allawi die Festnahme eines der meistgesuchten Bombenleger bekannt geben. Er soll für den Tod Hunderter Menschen verantwortlich sein.


Bagdad - Wie die irakische Regierung mitteilte, wurde Sami Mohammed Ali Said al Dschaaf verhaftet, einer der engsten Mitarbeiter des Extremistenführers Abu Mussab al-Sarkawi. Er soll für 32 Autobombenanschläge verantwortlich gewesen sein, bei denen hunderte Iraker getötet wurden. Er habe gestanden, rund 75 Prozent der Autobomben in Bagdad gebaut zu haben, hieß es. Al Dschaaf sei "der tödlichste" von den Vertrauten Sarkawis gewesen.

Er sei bereits am 15. Januar in Bagdad festgenommen worden. Mit ihm seien auch noch zwei weitere ranghohe Vertraute Al Sarkawis festgenommen worden.

Al Dschaaf soll auch in den Anschlag auf das Uno-Hauptquartier in Bagdad 2003 verwickelt gewesen sein, bei dem der Uno-Gesandte Sergio Vieira de Mello und 21 weitere Personen getötet wurden. Des Weiteren soll er die Bombe für den Anschlag auf einen schiitischen Schrein in der Stadt Nadschaf gebaut haben, bei dem 85 Menschen getötet wurden. Unter ihnen war auch Ayatollah Mohammed Bakir al Hakim.

Mit einem Autobombenanschlag in der Nähe der Parteizentrale von Ijad Allawi und Angriffen auf Wahllokale versuchten die Aufständischen inzwischen weiter, die Bevölkerung zu verunsichern und von der Teilnahme an der Wahl abzuhalten.

Bei dem Anschlag in Bagdad wurden nach Krankenhausangaben mindestens zehn Menschen verletzt, darunter acht Polizisten. Ein Selbstmordattentäter sprengte den Wagen neben einer Kontrollstelle an der Zufahrt zum Hauptquartier der Partei Irakische Nationale Übereinkunft in die Luft. Zu dem Anschlag bekannte sich die al-Qaida im Irak. Auf die Parteizentrale war bereits drei Wochen zuvor ein Selbstmordanschlag verübt worden, der vier Menschen das Leben kostete.

In dem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben wurde Allawi als "Agent der Juden und Christen" bezeichnet. Die al-Qaida im Irak hatte in einer am Sonntag verbreiteten Tonbandaufnahme der Demokratie den Krieg erklärt. Jeder, der an der Wahl teilnehme, unterstütze das System und sei ein Ungläubiger, hieß es. In Tikrit wurden am Sonntag drei Schulen, die als Wahllokale dienen sollten, angegriffen.

Angesichts der anhaltenden massiven Einschüchterungsversuche rief Übergangspräsident Ghasi al Jawer die Bevölkerung nachdrücklich zur Teilnahme an der Wahl am Sonntag auf. Die Iraker müssten wissen, dass die Wahl ihrer Repräsentanten für die Nationalversammlung nicht nur ihr Recht, sondern auch nationale Pflicht sei, sagte Al Jawer dem libanesischen Fernsehen.



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