Irak Sarkawis Hauptquartier entdeckt?

In der nahezu eroberten Rebellenhochburg Falludscha sind US-Truppen auf einen Gebäudekomplex gestoßen, in dem Topterroristen al-Sarkawi sein Hauptquartier gehabt haben soll. Soldaten entdeckten mehrere Säcke Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff und mehrere Leichen auf dem Gelände. Von Sarkawi fehlt jedoch jede Spur.


US-Soldaten patroullieren in Falludscha
AFP

US-Soldaten patroullieren in Falludscha

Falludscha - Der US-Sender CNN zeigte Bilder von dem mutmaßlichen Hauptquartier des Terrorführers Abu Mussab al-Sarkawi. In dem Gebäude fanden die Marines Dokumente, alte Computer, Fotos und Koran-Bücher. Ferner entdeckten sie mehrere Säcke mit Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff. Die Soldaten stießen auf dem Gelände auch auf mehrere Leichen.

Sarkawis Extremistengruppe wird im Irak für zahlreiche Anschläge, Entführungen und für die Ermordung von Geiseln verantwortlich gemacht. Der mutmaßliche Terrorführer wird weiter gesucht. Die irakische Regierung hat nach der Einnahme Falludschas eingeräumt, dass Sarkawi entkommen sei.

Dafür sei der Widerstand in der Stadt gebrochen, teilte Generalleutnant John Sattler, Kommandeur der US-Marineinfanteristen im Irak, bei einer aus Falludscha ins Washingtoner Verteidigungsministerium übertragenen Videokonferenz mit.

Nach seinen Angaben wurden seit Beginn der Offensive am 7. November 51 amerikanische Soldaten in Falludscha getötet und 425 verwundet. Anfang der Woche hatten US-Vertreter die Zahl der getöteten Soldaten noch mit 38 angegeben.

Zur genauen Zahl der getöteten Aufständischen wollte sich Sattler nicht äußern. Er ließ jedoch durchblicken, dass die in Medienberichten genannte Zahl von etwa 1200 stimmen könnte. 1025 Aufständische seien inhaftiert, sagte der General weiter. Angaben über zivile Opfer gab es nicht.

Nach Schätzungen internationaler Hilfsorganisationen sind bis zu 250.000 Menschen vor den Kämpfen in der irakischen Stadt Falludscha geflohen. Diese Zahl nannte eine Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Einige der entführten Polizisten in Freiheit

Nach Polizeiangaben haben Extremisten 35 von insgesamt 63 Polizisten freigelassen, die sie in der Nacht zum Dienstag im Westirak entführt hatten. Angeblich hatten die freigelassenen Polizisten den Entführern erklärt, sie gehörten nicht den Sicherheitskräften an, sondern handelten mit Autos aus Jordanien. 28 Polizisten würden von den Geiselnehmern aber immer noch an einem unbekannten Ort festgehalten, hieß es.

Der Polizist Leith Saad Naama hatte gestern in Kerbela berichtet, nur er und ein zweiter Polizist seien den Geiselnehmern entkommen, die in Rutba nahe der jordanischen Grenze 63 seiner Kollegen entführt hätten. Die Polizisten seien ohne Begleitung bewaffneter Wächter auf dem Heimweg von einem Lehrgang in Jordanien gewesen und hätten die Nacht in zwei Hotels in der Kleinstadt verbracht. Dort seien sie von rund zehn bewaffneten Kidnappern verschleppt worden. Er selbst habe sich verstecken können.



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