Irak Selbstmord-Attentäter lockte Kinder mit Süßigkeiten

Er lockte sie mit Schokolade - und zündete dann die Bombe: Ein irakischer Selbstmord-Attentäter hat sich am Morgen inmitten einer Gruppe von Kindern in die Luft gesprengt. Mindestens eines starb, viele wurden verletzt. Auch bei einem US-Angriff starben im Irak Kinder und Frauen.


Hamburg/Kirkuk - Grausiger Anschlag in der irakischen Stadt Tus Chormato, 180 Kilometer nördlich von Bagdad: Auf einem Spielplatz hat ein Mann Kinder mit Süßigkeiten angelockt, dann sprengte er sich in die Luft. Nach Angaben eines Polizeisprechers riss der Terrorist drei Menschen mit in den Tod, darunter ein Kind des Assistenten des Gouverneurs der Provinz Salaheddin, Kasim Barsani.

Verwundeter Junge im Krankenhaus von Kirkuk: Der Attentäter lockte die Kinder mit Süßigkeiten
AFP

Verwundeter Junge im Krankenhaus von Kirkuk: Der Attentäter lockte die Kinder mit Süßigkeiten

Auch die meisten der 21 Verletzten seien Kinder, sagte ein Polizeisprecher, darunter die Mehrzahl Kurden. Bei zwei der Verletzten handele es sich ebenfalls um Kinder Barsanis.

Die Spielplätze und Parks sind im Irak wegen eines Festes zum Ende des Fastenmonats Ramadan traditionell besonders gut besucht. Die sunnitischen Araber und die Kurden im Norden begingen den hohen islamischen Feiertag, dessen Datum unter anderem vom Neumond abhängt, bereits heute. Die Schiiten feiern erst morgen oder am Sonntag. In Tus Chormato leben vor allem Kurden und schiitische Turkmenen.

Auch bei einem US-Luftangriff im Irak gegen mutmaßliche Qaida-Kämpfer starben mehrere Kinder. Nach amerikanischen Angaben wurden versehentlich 15 Frauen und Kinder getötet. Der Angriff 120 Kilometer nördlich von Bagdad habe sich gegen Führungsmitglieder der Terrororganisation gerichtet, die sich dort getroffen hätten, zitierte der US-Nachrichtensender CNN einen US-Sprecher. Die US-Armee bedauere es, dass Zivilisten bei dem Angriff getötet wurden, sagte der Sprecher.

Der Sprecher behauptete allerdings, die Frauen und Kinder seien von den Terroristen bewusst in diese Gefahr gebracht worden. Bei dem Angriff starben den Angaben zufolge auch 19 Aufständische.

Die Vereinten Nationen haben die USA in ihrem jüngsten Menschenrechtsbericht zum Irak aufgefordert, die regelmäßige Tötung von Zivilisten durch US-Einsatzkräfte strenger zu untersuchen und die Ergebnisse dann auch zu veröffentlichen. Zudem müsse das US-Militär prüfen, ob private Sicherheitsleute im Irak Kriegsverbrechen begangen haben.

Am Donnerstag hatte ein Selbstmordattentäter in einem Bagdader Internet-Cafe acht Menschen in den Tod gerissen. 25 weitere seien verletzt worden, als der Bomber seinen Sprengsatz in dem Cafe im Osten der irakischen Hauptstadt zündete, teilte die Polizei mit.

Im Irak sind Anschläge auf Internet-Cafes selten. Im Gazastreifen hingegen wurden in diesem Jahr mindestens 40 solcher Einrichtungen angegriffen, weil sie nach Ansicht von Extremisten islamische Moralvorstellungen verletzen.

flo/dpa/Reuters



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