Irak Selbstmord-Attentäter reißen mehr als 100 Pilger in den Tod

Es war einer der blutigsten Selbstmord-Angriffe seit Kriegsbeginn: Zwei Attentäter sprengten sich im Irak inmitten von schiitischen Pilgern in die Luft und rissen mehr als hundert Menschen in den Tod.


Bagdad - Fast zeitgleich hatten die beiden Attentäter am Nachmittag ihre tödlichen Bomben nahe der irakischen Stadt Hilla inmitten einer dicht gedrängten Menschenmenge gezündet. Die Wirkung war verheerend: Immer wieder wurden die Opferzahlen nach oben korrigiert. Am Abend hieß es dann, 115 Menschen seien getötet worden. Nach Angaben des Krankenhauses wurden mindestens 200 verletzt. Der schiitische Ministerpräsident Nuri el-Maliki machte militante Sunniten und Anhänger des ehemaligen Diktators Saddam Hussein für das "barbarische Verbrechen" verantwortlich.

"Ich habe einen der Selbstmordattentäter gesehen. Er war etwa 40 Jahre alt. Er sprengte sich in die Luft und ich sah, wie ringsherum Körperteile durch die Luft flogen", beschrieb ein Zeuge die Situation. Ein anderer berichtete von chaotischen Szenen, überall Sandalen, zerrissene Kleidung, Blutlachen. Alle Menschen, die in der Nähe der Attentäter gestanden seien, "wurden in Stücke gerissen", sagte er schluchzend.

Die Pilger waren auf dem Weg nach Kerbala, wo die schiitischen Muslime am kommenden Wochenende den Todestag des Imam Hussein begehen. Der Enkel des Propheten Mohammed war im Jahr 680 getötet worden. Bedeutsam für die Schiiten ist auch der 40. Tag nach dessen Tod - er markiert das Ende der Trauerzeit.

Rund um Kerbala, wo die Grabmoschee Husseins steht, wurden nach Angaben eines Polizeisprechers 8000 Polizisten postiert, um Pilger zu schützen. Schiitische Pilger wurden bereits in der Vergangenheit wiederholt von sunnitischen Aufständischen angegriffen. Es wird mit mehr als einer Million Besucher gerechnet.

Bei weiteren Anschlägen in Bagdad und nahe der Stadt Latifijah starben mindestens 28 Gläubige. Zuvor hatten Bombenanschläge nördlich von Bagdad neun US-Soldaten das Leben gekostet. Es habe sich um Angehörige einer Sondereinheit gehandelt, berichteten die amerikanischen Streitkräfte. Sechs Soldaten wurden getötet, als gestern während eines Kampfeinsatzes in der Provinz Salahuddin ein Sprengsatz explodierte. Am gleichen Tag kamen in der Provinz Dijala drei weitere Soldaten ums Leben, als eine Bombe am Straßenrand detonierte.

Der amerikanische Militärsprecher Michael Donnelly, erklärte, es sei ein traumatischer Tag für die amerikanischen Soldaten gewesen. Für die US-Streitkräfte war es der verlustreichste Tag im Irak seit dem 7. Februar. Damals kamen elf amerikanische Soldaten ums Leben, davon sieben beim Absturz eines Hubschraubers.

reh/AP/Reuters/dpa



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