Irak Selbstmordattentäter reißt mindestens 15 Menschen in den Tod

Terroranschlag in Bagdad: Der Angriff galt dem stellvertretenden Vorsitzenden einer sunnitischen Gruppierung, die mit den USA gegen al-Qaida zusammenarbeitet - dem sogenannten Erweckungsrat. In den Tagen zuvor erschütterte bereits eine Anschlagsserie ein schiitisches Fest.


Bagdad - Der Attentäter fuhr mit einem Motorrad an einen Kontrollpunkt heran und zündete dann seinen Sprengsatz, wie die Polizei mitteilte. Augenzeugen zufolge hatte sich der Täter als Frau verkleidet, um seinen Sprengstoffgürtel unter Kleidern zu verstecken. Neben Faruk al Obeidi, dem Anführer des Erweckungsrats, sind den Angaben zufolge auch sechs seiner Leibwächter ums Leben gekommen.

Der Kontrollpunkt im Norden der Hauptstadt wurde den Angaben zufolge von seinen "Nachbarschaftsgarden" betrieben. Das so genannten Sahwa-Komitee kämpft seit Anfang 2007 mit finanzieller Unterstützung der US-Armee gegen die Terrororganisation al-Qaida. Von ihnen betriebene Kontrollpunkte waren in der Vergangenheit wiederholt Ziel von Angriffen.

Bei blutigen Terrorakten gegen anreisende Pilger waren in Bagdad, Balad und Iskanderia von Donnerstag bis Samstag mehr als 30 Pilger getötet und über 150 verletzt worden. Dank umfassender Sicherheitsvorkehrungen blieben die Besucher auf den Feiern zum Geburtstag des 12. schiitischen Imams (Mahdi) in der Stadt Kerbala 100 Kilometer südlich von Bagdad bis zum Sonntagnachmittag verschont.

Rund 50.000 Beamte, unter ihnen 2000 Frauen, waren am Wochenende in der den Schiiten heiligen Stadt Kerbala im Einsatz, um Störungen des Fests zu verhindern. Jeder Besucher wurde an Sicherheitsschleusen auf Waffen und Sprengstoff untersucht. Ein striktes Fahrverbot galt für Kraftfahrzeuge und Fahrräder. Die Behörden nahmen nach eigenen Angaben eine nicht näher genannte Zahl von Terrorverdächtigen fest. Auch Tausende Iraner, Libanesen und irakisch-schiitische Emigranten aus Europa und den USA waren nach Kerbala gekommen.

Die Feierlichkeiten galten dem Imam Mohammad al-Mahdi, dem nach schiitischer Ansicht letzten Imam in der Nachfolge des Propheten Mohammed. Die Schiiten glauben, dass der Mahdi im zehnten Jahrhundert auf wundersame Weise verschwand. Seine Rückkehr als Messias würde demnach das Nahen des Jüngsten Tags ankündigen. Vor zwei Jahren hatten verheerende Terroranschläge auf schiitische Feste im Südirak den Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten gefährlich verschärft.

cjp/AP/Reuters/dpa

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